zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 17. Mai 2013

Essen wie Gott in Südfrankreich lohnt sich

Mittelmeerdiät reduziert kognitive Defizite.

Viel Fisch, Obst, Gemüse, Olivenöl – die mediterrane Diät wirkt auch außerhalb von Südeuropa. In einer US-Studie traten kognitive Probleme damit etwas seltener auf als bei der üblichen westlichen Ernährung.

Einer Mittelmeerdiät mit viel Fisch, Gemüse, Obst, ungesättigten Fettsäuren, wenig rotem Fleisch, wenig gesättigten Fettsäuren, wenig Milchprodukten und einem mäßigen Rotweinkonsum wird inzwischen ja viel Gutes nachgesagt. Sie soll das Leben verlängern, vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützen und auch das Demenzrisiko senken. Allerdings ist die Datenlage gerade zu Demenz bislang eher dürftig.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Nikolaos Scarmeas von der Columbia University in New York lieferte mit einer kleinen Studie 2006 erste Hinweise darauf, dass die Mittelmeerdiät vor Demenz schützen könnte: Bei etwa 2.250 Teilnehmern einer Kohortenstudie war die Demenzrate bei denjenigen, die sich strikt an die Diät hielten, um bis zu 40 Prozent reduziert. Allerdings basierten die Berechnungen auf lediglich 260 Demenzerkrankungen innerhalb von vier Jahren. Scarmeas et al. legten jedoch drei Jahre später nach: In einer Studie mit knapp 1.400 Teilnehmern fanden sie eine um etwa 30 Prozent reduzierte Rate für leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) unter den Freunden von Fisch und ungesättigtem Fett. Außerdem entwickelten Teilnehmer, die schon zu Beginn eine MCI hatten, nur halb so oft eine Demenz, wenn sie sich mediterran ernährten. Ausgerechnet eine französische Studie konnte dies jedoch nicht bestätigen. Ein Team um Dr. Catherine Féart von der Universität in Bordeaux stellte bei ebenfalls etwa 1.400 Teilnehmern keine Unterschiede bei den Demenzraten fest, allenfalls verlief der kognitive Abbau mit mediterraner Diät etwas langsamer.

Größte Analyse zu Mittelmeerdiät und Kognition

Ein Manko aller drei Studien war die kleine Teilnehmerzahl . Dem setzen Neurologen um Dr. Georgio Tsivgoulis von der Universität in Athen und Kollegen von der Universität in Birmingham, Alabama, nun die bislang offenbar größte Untersuchung zu mediterraner Diät und Kognition entgegen. Sie greifen dabei auf Daten von fast 17.500 Teilnehmern zurück. Die Teilnehmer waren zu Beginn alle über 45 Jahre alt, frei von Schlaganfällen und hatten einen ausführlichen Fragebogen zur Ernährung ausgefüllt. Sie stammten aus unterschiedlichen Regionen in den USA, etwa ein Drittel war afroamerikanischer Herkunft.

Die kognitive Leistung wurde jährlich mit einem relativ simplen Test (Six Item Screener, SIS) erfasst. Anhand der Fragebogeninformationen ließ sich ein Wert auf einer Zehn-Punkte-Skala berechnen, der angab, wie strikt sich die Teilnehmer mediterran ernährten. Als wenig mediterran wurden Werte von 0–4 Punkten betrachtet. Dieser Bereich wurde bei 53 Prozent der Teilnehmer berechnet. Deutlicher mediterraner (5–9 Punkte) ernährten sich entsprechend 47 Prozent. Nun wurde beobachtet, wie häufig sich im Laufe von etwa vier Jahren in beiden Gruppen erste kognitive Probleme zeigten.

Rate für kognitive Defizite um 13 Prozent reduziert

Insgesamt traten solche Probleme bei knapp 1.250 Personen auf – die Datenbasis war damit also um den Faktor fünf größer als in den zuvor genannten Studien. In der Gruppe mit der eher mediterranen Ernährung war die Rate für kognitive Defizite um elf Prozent niedriger als in der anderen Gruppe. Wurden nun alle möglichen Demenz-Risikofaktoren mit einbezogen, etwa Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung, Alkoholkonsum, Diabetes, KHK, Hypertonie – dann vergrößerte sich der Unterschied sogar noch auf 13 Prozent. Somit war der Nutzen, sofern man einen kausalen Zusammenhang voraussetzt, allerdings doch deutlich geringer als in den vorangegangenen Studien zu Demenz und MCI.

Kein Nutzen bei Diabetikern

Überraschend war das Ergebnis bei Diabetikern: Bei ihnen schien die mediterrane Diät nichts zu nützen, ganz im Gegenteil: Die Rate für kognitive Defizite war hier sogar noch signifikant höher (plus 27%) als in der Gruppe mit wenig ausgeprägten mediterranen Essgewohnheiten.

Während das Gesamtergebnis recht gut zu den beiden Studien von Scarmeas passt, finden Tsivgoulis et al. keine plausible Erklärung, weshalb Diabetiker offenbar nicht profitieren. Möglicherweise war die Subgruppe der Diabetiker mit knapp 17 Prozent auch in dieser Studie zu klein, um statistisch belastbare Aussagen zu treffen.

Originalpublikation: Tsivgoulis G et al.: Neurology 2013; 80: 1684–1692

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 20/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben