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Bewegung, Schmerz, muskuloskeletale Schmerzen, Biofeedback
 
Neurologie 22. April 2013

Eine wechselseitige Beziehung

Bewegung und Schmerz – den Teufelskreis durchbrechen.

Körperlicher, aber auch seelischer Schmerz kann einzeln und in Kombination besonders häufig zur Immobilisierung, führen, was wiederum eine entsprechende Dekonditionierung und eine weitere Einschränkung motorischer Grundeigenschaften mit all ihren negativen Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Im Rahmen einer modernen interdisziplinären Schmerzmedizin bei der Behandlung muskuloskeletaler Schmerzen steht das Durchbrechen dieses Teufelskreises durch suffiziente Analgesierung und möglichst frühzeitige Mobilisierung der Patienten an erster Stelle. Hierbei ist ein interdisziplinärer Ansatz aus medikamentöser Schmerztherapie und invasiven Maßnahmen, psychotherapeutisch geleiteter Schmerzbewältigung und Verhaltensänderung sowie passiven und vor allem aktiven physikalisch-medizinischen Maßnahmen zu favorisieren.

Passive Methoden

Aus physikalisch-medizinischer und rehabilitativer Sicht sind zunächst passive Modalitäten aus dem Bereich der Mechanotherapie (unter anderem klassische und Spezialmassagen, Stoßwellenbehandlung, Ultraschall, Extension, Reflextherapien wie Akupunktur und Chirotherapie etc.), die Elektrotherapie (hier das gesamte Spektrum der Nieder-, Mittel- und Hochfrequenztherapie und als moderner Aspekt die sogenannte Hochtontherapie), die Phototherapie (unter anderem gekühltes rotes Licht aus dem sichtbaren Spektrum sowie Infrarotanwendungen etc.) und die Balneologie (Peloide wie Moor, Fango, Badebehandlungen etc.) sowie die Thermotherapie (Wärme- und Kälteanwendungen durch Packungen, Elektro- und Lichttherapie etc.) zu erwähnen.

Ganz wichtig ist hier der Bereich der Mechanotherapie (unter anderem Krankengymnastik, Spiegeltherapie und vor allem aktive, aktivierende und rekonditionierende Maßnahmen wie die sogenannte Medizinischen Trainings- und Übungstherapie zur Verbesserung der motorischen Grundeigenschaften Ausdauer, Kraft, Koordination/Sensomotorik und Beweglichkeit).

Biofeedback in vielen Fällen effektiv

Laut Ansicht des Verfassers (seit 2008 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Biofeedback und Psychophysiologie) können hier zusätzlich die Möglichkeiten der Methode Biofeedback in vielen Fällen effektiv eingesetzt werden und den Patienten über einen apparativ-instrumentellen Ansatz zum Erlangen von Selbstkompetenz verhelfen.

Besonders erwähnenswert ist hier der Einsatz bei muskuloskelettalem Schmerz und bei Kopfschmerzsyndromen, wo stabile Effekte bis über ein Jahr beschrieben wurden. Eigene Untersuchungen weisen darauf hin, dass der effektivste Einsatz dieser Methode im Rahmen schulmedizinischer Gesamtkonzepte ganz eindeutig von der Expertise als Schmerzmediziner abzuhängen scheint.

Zur Behandlung muskuloskelettaler Schmerzen und zum Durchbrechen des Teufelskreises aus schmerzbedingter Immobilisierung und Dekonditionierung durch suffiziente Analgesierung und möglichst frühzeitige Mobilisierung stehen im Rahmen einer modernen interdisziplinären Schmerzmedizin also durchaus effektive Möglichkeiten zur Verfügung, die gerade „im interdisziplinären Konzert“ oft effektive Behandlungskonzepte auf schulmedizinischer Basis ermöglichen können.

Autor: Prof. Dr. Richard Crevenna, MBA, MSc ist an der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinische Universität Wien tätig.

R. Crevenna, Ärzte Woche 17/2013

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