zur Navigation zum Inhalt
© imago/UPI Photo
Bei über 20.000 Meter Flughöhe ist das Gehirn deutlich unter Stress.
 
Neurologie 15. April 2013

Höhenflüge sind nicht gut fürs Denkvermögen

Pilotenstudie zeigt, dass der Sauerstoffmangel über längere Zeit ungünstig für das Gehirn ist.

Ausflüge in große Höhen fördern nicht unbedingt die Hirnleistung. Piloten von US-Spionageflugzeugen schneiden in Kognitionstests deutlich schlechter ab als solche, die nur in den üblichen Höhen fliegen.

Extrembergsteiger können ein Lied davon singen: In großen Höhen kann man sich nicht mehr auf sein Gehirn verlassen und fällt mitunter fatale Entscheidungen. Viele der Unfälle an den höchsten Bergen der Welt sind auf Fehlleistungen des Gehirns zurückzuführen und nicht nur auf die extremen Wetter- und Geländebedingungen. Nun mag es wenig überraschen, dass das Denkorgan bei Sauerstoffmangel keine Topleistung zeigt, doch offenbar hat der Aufenthalt in großen Höhen auch langfristig negative Folgen. Das schließen Neurologen um Dr. Jennifer Rasmussen von der Universität in San Antonio, USA, aus einer Studie, die sie zwar nicht mit den Reinhold Messners dieser Welt machten, aber dafür mit einer anderen Gruppe, die sich häufiger in unwirtlichen Höhen aufhält: Piloten des legendären US-Spionageflugzeuges U2.

Über 20.000 Meter Flughöhe

Die einstrahlige Maschine erreicht mühelos Höhen über 20.000 Meter und fliegt damit doppelt so hoch wie normale Verkehrsflugzeuge. Die U2 wird von der US-Luftwaffe bereits seit den 1950er-Jahren verwendet und ist auch heute noch im Einsatz. Das Team um Rasmussen hatte also keine Probleme, genügend Piloten zu finden, die über lange Zeit damit geflogen sind. 85 solcher Piloten unterzogen die Neurologen ausführlichen kognitiven Tests und verglichen die Ergebnisse mit denen bei der Eingangsuntersuchung bei Beginn der Luftwaffenkarriere sowie mit den Ergebnissen von 60 anderen Air-Force-Piloten, die sich nicht in derartigen Höhen aufhielten. Die Ergebnisse präsentierten sie auf der Jahrestagung des US-amerikanischen Neurologenverbandes AAN in San Diego.

Die gute Nachricht für die Piloten: Im Laufe von durchschnittlich etwa zehn Jahren verbesserten sich in beiden Gruppen die Werte bei den neuropsychologischen Tests. Die schlechte Nachricht: Bei den U2-Piloten war die Verbesserung signifikant geringer als bei ihren tiefer fliegenden Kollegen. Sie waren in den Tests im Vergleich zu diesen deutlich schlechter bei der Informationsverarbeitung, beim Gedächtnis und beim logischen Denken. Allerdings waren die Unterschiede klinisch nicht bedeutsam, auch gab es keine Unterschiede beim IQ: Dieser war in beiden Gruppen von etwa 120 auf 127 gestiegen. Damit, so Rasmussen, genügen die U2-Piloten ebenso wie ihre Kollegen den hohen Air-Force-Standards, was die geistige Leistungsfähigkeit betrifft.

Weiße Substanz verändert

Die Forscher sehen in der Untersuchung aber dennoch Hinweise, dass ein häufiger Aufenthalt in einer hypobaren Umgebung langfristig ungünstig für das Gehirn ist. Zwar befinden sich die U2-Piloten während des Fluges in einer Druckkabine und hängen an einem Atemgerät, dennoch ist der Sauerstoffpartialdruck geringer als in den üblichen Flughöhen, was das Gehirn wohl deutlich unter Stress setzt. In einer anderen Studie konnte bereits gezeigt werden, dass es bei Höhenpiloten zu einer abnormen Hyperintensität der weißen Substanz im T2-MRT kommt. Rasmussen und Kollegen spekulieren, dass diese Veränderungen ein Grund für die etwas schlechtere kognitive Leistung sein könnten.

Quelle: American Academy of Neurology (AAN), San Diego, 18.03.2013, Postersession: Rasmussen J, et al. Cognitive differences associated with high-altitude flying in pilots.

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 16/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben