zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 30. Juni 2005

Die Epilepsie "aus dem Schatten holen"

Die zweite Phase der globalen Kampagne gegen Epilepsie, die vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde, ist ein Gemeinschaftsprojekt des International Bureau for Epilepsy (I.B.E.), der International League Against Epilepsy (I.L.A.E.) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das von Sanofi-Synthelabo unterstützt wird.

Die erste, im Juni 1997 initiierte Phase der Kampagne konzentrierte sich vorrangig auf Sensibilisierungsaktivitäten. In der zweiten Phase sind Schlüsselaktivitäten zur Verbesserung der Leistungen in Gesundheitswesen, Behandlung, Vorbeugung und sozialer Akzeptanz dieser Krankheit vorgesehen. Zur Realisierung dieser Ziele werden über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren mehrere Demonstrationsprojekte durchgeführt.

Unwissen und Vorurteile bilden Behandlungslücke

Obwohl Epilepsie eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Störungen des Gehirns ist, wird auch heute noch Epilepsie-Erkrankten mit Misstrauen und Unverständnis begegnet. Viele der Erkrankten wissen nicht einmal, dass eine Behandlung möglich ist, wie sie die benötigten Medikamente erhalten können und wie diese richtig anzuwenden sind. Die Behandlungslücke in den Entwicklungsländern liegt heutzutage etwa zwischen 60 und 90 Prozent. Dabei könnten 60 bis 70 Prozent aller Menschen mit Epilepsie ein normales Leben führen, wenn ihre Krankheit richtig diagnostiziert und behandelt würde. Dies ist jedoch bei 80 bis 90 Prozent der Erkrankten nicht der Fall. Außerdem könnten effektive Maßnahmen den Kostenaufwand für die Epilepsie, der gegenwärtig mit etwa 12,5 Milliarden Dollar allein für die USA beziffert wird, wesentlich verringern.

Fünf Hauptziele der Demonstrationsprojekte:

  1. Verringerung der Behandlungslücke sowie der physischen und sozialen Morbidität von Epilepsieerkrankten durch Intervention auf Gemeinschaftsebene 
  2. Ausbildung und Aufklärung von Fachkräften des Gesundheitswesens
  3. Bekämpfung des bestehenden Stigmas und Förderung einer positiven Haltung der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Epilepsien
  4. Identifikation und Bewertung der Vorbeugungsmöglichkeiten gegen Epilepsie
  5. Erarbeitung von Modellen, um die Epilepsiebekämpfung und ihre Einbeziehung in die Gesundheitssysteme der teilnehmenden Länder zu fördern

Zu den verschiedenen Aktivitäten der ersten Phase der Demonstrationsprojekte zählen Maßnahmen zur Ermittlung des Auftretens der Epilepsie und der Größe der Behandlungslücke. Erste Ergebnisse dazu liegen jetzt vor und verdeutlichen, wie stark die tatsächlichen Zahlen von den bisherigen Annahmen abweichen. So wurde ursprünglich die Zahl der an Epilepsie Erkrankten in der Volksrepublik China mit etwa fünf Millionen angesetzt, wohingegen neueste Ergebnisse einer epidemiologischen Untersuchung zeigen, dass es sich tatsächlich um neun Millionen erkrankte Menschen handelt. Diese Studie beweist, dass die weltweite Zahl von Menschen mit Epilepsie wahrscheinlich stark nach oben korrigiert werden muss und dass die bestehende Behandlungslücke möglicherweise ebenfalls erheblich unterschätzt wurde.
"Als Epilepsiekranke bin ich sehr erfreut darüber, dass die weltweite Kampagne gegen Epilepsie weiter verstärkte Aufklärungsarbeit leistet", sagte Carol D?ouza, Autorin des Buches "Conquering Epilepsy", einer Sammlung persönlicher Erfahrungen von an Epilepsie Erkrankten und ihrer Suche nach dem "Regenbogen nach dem Sturm" und weiter: "Sich darum zu bemühen, allen unter Epilepsie leidenden Menschen auf der ganzen Welt eine sachgemäße Behandlung und ein normales Leben frei von Stigmen und Diskriminierung jeglicher Art zu verschaffen, ist in der Tat eine wichtige Aufgabe und muss mit großer Zielstrebigkeit und Entschlossenheit verfolgt werden." 

Quelle: Pressetext vom 8. März 2002

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben