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Neurologie 30. Juni 2005

Lungen-Check so wichtig wie Blutdruckmessen

In Österreich sind etwa 400.000 Patienten von einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) betroffen. Die Dunkelziffer verdoppelt bis verdreifacht diese Zahl. Für die Behandlung der Erkrankung hat eine frühzeitige Diagnose eine große Bedeutung. Experten fordern daher die Spirometrie als Programmteil der Gesundenuntersuchung.

In das geplante Programm für die Neuordnung der Gesundenuntersuchungen gehört laut Experten auf jeden Fall die Lungenfunktionsprüfung. „Das ist wie das Blutdruckmessen. Es handelt sich um die einfachste Vorsorgeuntersuchung, die den Einzelnen überhaupt nicht belastet. Sie dauert nur Minuten und gibt Auskunft darüber, ob jemand in den folgenden 15 Jahren durch eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zum Invaliden wird oder nicht“, erklärte jetzt der Wiener Experte Prof. Dr. Otto C. Burghuber, auch Leiter des mit diesem Thema befassten Ludwig- Boltzmann-Instituts in Wien.

Weltweit leiden 600 Millionen Menschen an COPD, für drei Millionen Menschen verläuft die Erkrankung tödlich. Laut WHO wird die COPD im Jahr 2020 den dritten Platz der weltweiten Todesursachen belegen. In Österreich sind 400.000 Patienten betroffen, es wird von einer doppelt bis dreimal so hohen Dunkelziffer ausgegangen. Da die Behandlungsmöglichkeiten im fortgeschrittenen Stadium der COPD begrenzt sind, kommen neben der Vorbeugung vor allem der frühzeitigen Diagnose und der gezielten Behandlung eine große Bedeutung zu. Auch aus ökonomischer Perspektive ist eine frühzeitige Erkennung wichtig.

Die Jahrestherapiekosten der COPD liegen, abhängig vom Schweregrad, zwischen 1.500 und 3.000 Euro. Die Häufigkeit für die schwere COPD liegt bei 0,5 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Aufgrund der klaren Zuordnung von Risiko wie beispielsweise Zigarettenrauchen und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung muss der Vorbeugung eine hohe Priorität eingeräumt werden. In diesem Zusammenhang wird von der Österreichischen Gesellschaft für Lungenerkrankungen und Tuberkulose (ÖGLUT) gefordert, die Spirometrie in den Gesundenuntersuchungen aufzunehmen. „Etwa 20 Prozent aller Raucher entwickeln die Krankheit, wobei genetische Unterschiede eine wesentliche Bedeutung haben dürften“, so Prof. Dr. Lutz Henning Block, ÖGLUT-Präsident und Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, AKH-Wien. Raucher sind die wichtigste Risikogruppe für COPD, sie sind auch die wichtigste Zielgruppe für Screeninguntersuchungen. „Da COPD in den frühen Erkrankungsstadien symptomlos verlaufen kann, soll bei Rauchern ab dem 40. Lebensjahr jährlich eine Überprüfung der Lungenfunktion durchgeführt werden“, so Dr. Sylvia Hartl, Oberärztin der Lungenabteilung am Otto Wagner-Spital, Wien. „Diese könnte im Rahmen der Gesundenuntersuchung durchgeführt werden“, so die Generalsekretärin der ÖGLUT.

Alle Patienten mit Symptomen wie Husten, Auswurf und einer Belastungs-Dyspnoe und/oder einer Risikoanamnese wie Schadstoffexposition oder einer genetischen Disposition sollen einem COPD-Screening unterzogen werden. In die Reform des Gesundheitswesens in Österreich soll auch eine Neuordnung der Gesundenuntersuchungen miteingebaut werden. Hier gibt es derzeit im Hintergrund auch bereits Gespräche darüber, welche Tests in ein neues Programm kommen sollen. Experten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben sich eindeutig für die Koloskopie als Früherkennungsuntersuchung auf Dickdarmkrebs inklusive seiner Vorstufen ausgesprochen.

Damit könnten im Idealfall rund 90 Prozent dieser Karzinome rechtzeitig erkannt oder gar verhindert werden. Umstrittener ist die Frage eines Mammographie-Screenings der Frauen ab 50 Jahren auf Brustkrebs. Doch während eine Endoskopie-Untersuchung des Darms von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird und regelmäßige Mammographien eine gewisse (Strahlen-) Belastung darstellen, ist laut den Pulmologen die Situation bei der Früherkennung der zumeist auf das Rauchen zurückzuführenden chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) einfacher.

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