zur Navigation zum Inhalt
© Kati Molin / fotolia.com
Kräftige Unterarme schützen Kellner vor Neuropathien.
 
Neurologie 9. April 2013

Kellnerkrankheit Nervenkompression

Tabletts schleppen, bis die Arme taub werden.

Nicht jeder ist für den Einsatz in der Gastronomie geeignet: Wer zu viele Bierkrüge, Weinflaschen oder Teller aufs Tablett stapelt, kann damit leicht seine Unterarmnerven abklemmen.

Es sind nicht immer nur die Resultate kontrollierter klinischer Studien, die für Aufmerksamkeit sorgen: Am US-Neurologenkongress AAN wird auch über manche skurrile Befunde berichtet. So zählt offenbar eine gute physische Konstitution zu den Voraussetzungen, um den Alltag als Kellner unbeschadet zu überstehen. Vor allem kräftige Unterarme sind von Vorteil.

Drei Kellnerinnen wurden untersucht, die sich mit Unterarmsymptomen vorstellten. Die Frauen klagten nach ausgiebigem gastronomischem Einsatz über Parästhesien, Schmerzen und Taubheitsgefühlen in einem der Arme. Bei allen ließen sich Hoffmann-Tinel-Zeichen des Nervus cutaneus antebrachii lateralis feststellen. Die elektrophysiologische Untersuchung ergab eine verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeit auf der betroffenen Seite, verlängerte Latenzen und kleinere Amplituden als auf der kontralateralen Seite. Die Tests deuteten daher auf eine Kompression des kutanen Unterarmnervs, offenbar verursacht durch das Tragen schwerer Tabletts.

Zur Behandlung wurden Nortriptylin oder Gabapentin. und Schonung verordnet. Acht Monate später waren die Beschwerden verschwunden und es ließen sich elektrophysiologisch keine Unterschiede mehr beim N. cutaneus antebrachii lateralis zwischen beiden Unterarmen feststellen.

Insgesamt wurde innerhalb von 15 Jahren nur bei sechs Patienten eine Neuropathie dieses Nervs diagnostiziert, drei davon waren Kellnerinnen. Gerade für nicht besonders kräftige Frauen stelle das Schleppen schwerer Tabletts ein gewisses Risiko für eine Nervenkompression dar, schlussfolgern die Neurologen.

Quelle: AAN 2013, Poster Session I: Clinical Neurophysiology

springermedizin.de, Ärzte Woche 15/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben