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Jeder zehnte Schlaganfallpatient ist jünger als 50 Jahre.
 
Neurologie 8. April 2013

Langzeitgefahr früher Schlaganfall

Wer in jungen Jahren einen Schlaganfall überlebt, hat dennoch ein deutlich erhöhtes Risiko für einen frühen Tod.

Auch wenn von einem Schlaganfall meist ältere Personen betroffen sind – immerhin jeder zehnte Patient ist unter 50 Jahre.

Wie ein solch frühes Ereignis die Langzeitprognose beeinflusst, wollten niederländische Wissenschaftler herausfinden. Hierzu schlossen sie insgesamt 959 Schlaganfallpatienten im Alter zwischen 18 und 50 Jahren aus der FUTURE-Studie ein.

In der prospektiven Kohortenstudie wurden Patienten berücksichtigt, die zwischen 1980 und 2010 wegen einer ersten transient ischämischen Attacke (TIA, n=262), eines ischämischen Schlaganfalls (n=606) oder einer intrazerebralen Blutung (n=91) behandelt worden waren. Die Mortalität der Patienten innerhalb eines Beobachtungszeitraums von durchschnittlich elf Jahren wurde nach Alters- und Geschlechtsanpassung mit der Sterblichkeit in der Allgemeinbevölkerung verglichen.

Kumulative Mortalität

Am Ende des Studienzeitraums waren 20 Prozent der Schlaganfallpatienten verstorben, 4,5 Prozent innerhalb von 30 Tagen nach dem Ereignis. Allerdings zeigte sich bei denjenigen, die überlebten, insgesamt eine höhere Sterblichkeit als in der Allgemeinbevölkerung. So lag nach einem Jahr die kumulative Mortalität für TIA-Patienten bei 1,2 Prozent und nach 20 Jahren bei 24,9 Prozent. Entsprechende Mortalitätsraten von 2,4 Prozent bzw. 26,8 Prozent ergaben sich nach ischämischem Schlaganfall; nach einer intrazerebralen Blutung lagen die Quoten bei 2,9 Prozent bzw. bei 13,7 Prozent.

Männer stärker gefährdet als Frauen

Beim Geschlechtervergleich zeigten sich nach ischämischem Schlaganfall Nachteile für die Männer: Innerhalb von 20 Jahren stieg ihre kumulative Mortalitätsrate auf 33,7 Prozent (vs. 19,8% bei den Frauen). Bei den Patienten mit ischämischem Schlaganfall war die Mortalität in allen Subgruppen erhöht. Das höchste Sterberisiko barg die kardioembolische Form, wegen der häufig bestehenden kardialen oder anderen Komorbiditäten.

Die standardisierte Mortalitätsrate SMR (Quotient aus beobachteten und erwarteten Todesfällen während des Follow-up, unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Subtyp des Schlaganfalls) lag am Endes des Studienzeitraums für die TIA im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung bei 2,6 und für den ischämischen Schlaganfall sowie die Gehirnblutung bei 3,9.

34 Prozent der TIA-Überlebenden und 55 Prozent der Patienten nach ischämischem Schlaganfall starben letztlich an einem Gefäßereignis. So scheint die Ursache für den ursprünglichen Schlaganfall, auch wenn dieser überstanden ist, den Patienten durch sein Leben zu begleiten.

Originalpublikation:

Rutten-Jacobs LCA et al.: Long-term Mortality After Stroke Among Adults Aged 18 to 50 Years; JAMA. 2013; 309 (11): 1136-44

springermedizin.de, Ärzte Woche 15/2013

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