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Neurologie 25. Februar 2013

Mehr Information und Aufklärung notwendig

Kopfschmerzpatienten sind nur unzureichend über Therapieoptionen informiert, Komplementärmethoden werden von diesen unabhängig von einem Wirksamkeitsnachweis angewandt.

In Österreich kennt ein erheblicher Anteil an Patienten mit häufig wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Migräne weder spezifische Kopfschmerzmedikationen noch pharmakologische Methoden der Kopfschmerzprophylaxe. Im Gegensatz dazu finden sich eine breite Akzeptanz und ein häufiger Gebrauch zumeist fraglich wirksamer alternativer Therapien. Zu diesem Resultat kam eine Untersuchung der Universitätsklinik für Neurologie Wien.

Die Behandlung von Kopfschmerzen besteht einerseits aus der Linderung der einzelnen Attacke und andererseits – wenn nötig – aus einer prophylaktischen Therapie, um die Häufigkeit wiederkehrender Kopfschmerzen zu reduzieren. Während die Akutbehandlung Domäne der pharmakologischen Therapie ist, kommen in der Kopfschmerzprophylaxe auch nicht pharmakologische Methoden zum Einsatz.

Pharmakologische und nicht pharmakologische Optionen

Für die Kopfschmerzprophylaxe existiert eine Reihe von Behandlungsrichtlinien, und es steht eine breite Palette an Medikamenten zur Verfügung. Nichtsdestotrotz ist die pharmakologische Therapie durch Faktoren wie Kontraindikationen, Nebenwirkungen oder mangelndes Therapieansprechen limitiert. Darüber hinaus bedeutet die theoretische Verfügbarkeit nicht immer den adäquaten Gebrauch. So ist aus Untersuchungen bekannt, dass nur eine Minderheit der Migränepatienten auch Migräne-spezifische Medikation verwendet, und dass ein beträchtlicher Anteil Medikamente wie Opiate oder Barbiturate einnimmt, die laut Internationalen Guidelines nicht als First-Line-Präparate zur Behandlung der Migräne empfohlen werden. Die Unzufriedenheit vieler Migränepatienten mit ihren Therapien resultiert nicht zuletzt daraus, dass sie keine Kopfschmerzspezialisten konsultieren, und sie sich auf selbst verordnete OTC-Medikamente verlassen.

Kriterium für die Wirksamkeit einer pharmakologischen Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerz sind eine deutliche Schmerzlinderung innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme, die konsistente Wirksamkeit bei zumindest zwei von drei Attacken sowie kein Rezidiv der Kopfschmerzen innerhalb von 24 Stunden.

Substanzen, die diese Kriterien erfüllen, sind bei Migräne nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol: Diese sind daher Mittel der ersten Wahl bei milder bis mittelschwerer Migräne. Ebenfalls Level A-Evidenz besteht für Triptane, die bei mittelschwerer bis schwerer Migräne empfohlen werden und bei 60 Prozent der NSAR-Nonresponder wirksam sind. Die Betablocker Metoprolol und Propranolol, der Kalzium-Blocker Flunarizin sowie die beiden Antiepileptika Topiramat und Valproat sind Substanzen der Wahl zur Migräne-Prophylaxe. Empfohlene pharmakologische Therapien zur Akutbehandlung von Spannungskopfschmerzen inkludieren NSAR und Paracetamol und für die Kopfschmerzprophylaxe Antidepressiva.

Nicht pharmakologische Behandlungsoptionen fallen häufig in die Kategorie Komplementärmedizin. Dabei konnte etwa für Akupunktur in einer Reihe von kontrollierten Studien ein guter Wirksamkeitsnachweis erbracht werden, während dieser für andere Verfahren wie etwa Bioresonanz bislang ausständig ist.

Verbesserung der Primär- und Sekundärversorgung

Ziel der rezenten Studie war es zu analysieren, welche pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Kopfschmerztherapien Patienten, die an ein tertiäres Kopfschmerzzentrum überwiesen werden, kennen und wie sie diese einsetzen. Dazu füllten 114 konsekutive Patienten unmittelbar vor ihrer Erstbegutachtung an der Spezialambulanz für Kopfschmerz einen umfassenden Fragebogen aus, in dem die Bekanntheit und die Häufigkeit des Gebrauchs von 23 Medikamenten für die Akutbehandlung, 21 für die prophylaktische Behandlung und 30 komplementärmedizinische und alternative Verfahren für die Therapie von Kopfschmerz erfragt wurden.

Die Studie hat gezeigt, dass der Anteil der Patienten, die mindestens eine Akuttherapie kannte, bei 92 Prozent lag. 62 Prozent kannten mindestens eine prophylaktische Therapie und 80 Prozent mindestens eine nicht-pharmakologische Behandlung. Obwohl 87 Prozent der Migräne-Patienten zumindest vier beeinträchtigende Kopfschmerztage pro Monat angaben, hatten nur 41 Prozent jemals Triptane als spezifische Attackentherapie verwendet und nur 19 Prozent hatten jemals eine prophylaktische Therapie der ersten Wahl für die empfohlene Dauer von mindestens drei Monaten eingenommen. Auf der anderen Seite verwendeten 75 Prozent komplementärmedizinische oder alternative Methoden.

Die Autoren der Studie schließen aus diesen Daten, dass ein signifikanter Anteil an Patienten mit wiederkehrenden Kopfschmerzen nicht ausreichend über die pharmakologischen Optionen zu Therapie und Prophylaxe von Kopfschmerzen informiert ist, Komplementärmethoden werden jedoch unabhängig davon, ob für sie ein Wirksamkeitsnachweis vorliegt oder nicht, bereit akzeptiert und angewandt. Eine Verbesserung der Primär- und Sekundärversorgung sowie die Aufklärung der Patienten wäre wünschenswert.

Quelle: Lieba-Samal D. et al.: Knowledge about and use of pharmacological and non-pharmacological headache therapies. Wien Klin Wochenschr 19-20/2013

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