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Infarktkern (helles Areal) und noch rettbares Gewebe(dunkelblau); rote Linien: Überlagerung
 
Neurologie 1. Februar 2013

Insult-Patienten werden immer jünger

Neuigkeiten zum Insult im jüngeren Lebensalter und zur Therapie im Akutfall.

Die Highlights der Jahrestagung der Österreichischen Schlaganfallgesellschaft (ÖGSF) vom 24. bis 26. Jänner 2013 in Graz.

Bezüglich Schlaganfall in jüngerem Lebensalter wurden interessante neue Daten aus der SIFAP-Studie (Stroke In young FAbry Patients) vorgestellt. Diese Untersuchung hat in 15 europäischen Ländern 5.024 Patienten zwischen 18 und 55 Jahren mit der Diagnose eines Schlaganfalles oder einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns eingeschlossen, die zentrale Auswertung der MRT erfolgte an der Grazer Universitätsklinik für Neurologie unter Prof. Dr. Franz Fazekas.

Bemerkenswert für diese relativ jungen Patienten war die hohe Rate an klassischen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck (47%), Diabetes mellitus (10%) und erhöhte Blutfettwerte (34%), wobei Männer noch höhere Raten aufwiesen. Auffällig war auch die hohe Zahl klinisch stummer oder unerkannter alter Hirninfarkte in der MRT in zirka 20 Prozent der Fälle. Bei einem Drittel der Patienten blieb die letztendliche Ursache des Schlaganfalls überhaupt ungeklärt.

Die Vermeidung vaskulärer Risikofaktoren sollte daher ein Hauptanliegen nicht nur in der älteren, sondern vor allem auch in der jüngeren Bevölkerung sein, um die Schlaganfallhäufigkeit einzudämmen. Wichtig erscheinen auch eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber möglichen Schlaganfallsymptomen wie etwa Lähmungen, Schwindel, Sprach-, Sprech-, Koordinations- oder Gefühlsstörungen auch bei jüngeren Menschen.

Therapie im Akutfall

In der klinischen Routine können beim akuten ischämischen Schlaganfall, d. h. einem plötzlich einsetzenden neurologischen Defizit wie oben beschrieben, gerinnungshemmende Substanzen über die Vene bis zu 4,5 Stunden nach Beginn der Symptomatik eingesetzt werden. Neue Studienergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Vorgehen in Einzelfällen sogar bis zu sechs Stunden nach einem akuten Schlaganfall eine Verbesserung der funktionellen Wiederherstellung bewirken kann. Der 3. Internationale Stroke-Trial (IST-3) konnte auch zeigen, dass Patienten über 80 Jahre genauso von der Thrombolysebehandlung profitierten wie jüngere.

Mismatch-Konzept

Ein weiteres wichtiges Ziel in der Schlaganfallforschung besteht darin, jene Betroffenen zu erkennen, die auch nach einem längeren Zeitintervall noch von einer Intervention zur Wiederherstellung der Durchblutung des Gehirns profitieren können. In dieser Hinsicht unterstützen die jüngst veröffentlichten Ergebnisse der DEFUSE 2-Studie die Bedeutung der MRT als Auswahlkriterium (Mismatch-Konzept). DEFUSE-2 untersuchte 138 Patienten, bei denen innerhalb von zwölf Stunden nach einem akuten Schlaganfall eine endovaskuläre Behandlung zur Wiederherstellung der zerebralen Durchblutung vorgesehen war. Anhand der MRT wurde das Missverhältnis zwischen Ausmaß der Durchblutungsstörung und Infarktkern dargestellt. In der Gruppe mit Hinweisen für noch rettbares Hirngewebe, d. h. fassbarem Mismatch, war die Wiederherstellung der Durchblutung mit einer fast neunmal höheren Wahrscheinlichkeit gegeben. Weitere Untersuchungen zur aggressiven Behandlung akuter Schlaganfälle, basierend auf Bildgebung, erscheinen daher bedeutsam.

MedUni Graz/CL, Ärzte Woche 5/2013

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