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Molekulare Pinzette (CLEAR 01) mit gebundenem Lysin (blau).
 
Neurologie 14. Jänner 2013

Sanfte Pinzette gegen Alzheimer

Erstmals ist es jetzt gelungen, erkrankte Mäuse mithilfe einer „molekularen Pinzette“ erfolgreich zu behandeln.

„Wir stellten vor einigen Jahren ein Molekül her, das die Aminosäure Lysin wie eine Pinzette greifen kann“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schrader, einer der Erfinder des Moleküls und Professor für Biosupramolekulare Chemie an der Universität Duisburg-Essen.

Für Neurologen an der University of California in Los Angeles (UCLA) war dies interessant, denn sie hielten ein bestimmtes Lysin im Alzheimer-Peptid für den Auslöser der Eiweiß-Aggregation, die zum Tod von Millionen von Nervenzellen führt.

Die deutsch-amerikanische Forschergruppe untersuchte seither gemeinsam den Einfluss der Pinzette auf diesen Prozess. Schrader: „Die Kollegen an der UCLA konnten geradezu sensationelle Ergebnisse erzielen; zunächst in Nervenzellen, dann auch im Tierversuch.“ Bei einer lebendigen Maus mit Alzheimer-Syndrom wurde jetzt zum ersten Mal gezeigt, dass die molekulare Pinzette die Blut-Hirnschranke überwindet und die toxischen Aggregate des Alzheimer-Peptids auflöst ( Attar et al.: Brain 2012 ). Darüber hinaus wurden die Synapsen der Nervenzellen geschützt. Die Entdecker nennen die neue Substanz CLEAR 01 (CLR01).

Ohne Nebenwirkungen

Schrader: „Das Schöne ist, dass es praktisch keine Anzeichen für Nebenwirkungen gibt.“ Wirksamkeit und Ungiftigkeit weisen auf einen neuen Wirkmechanismus hin. Sie machen die molekulare Pinzette zu einem vielversprechenden Kandidaten für eine zukünftige Alzheimer-Therapie. Möglicherweise können auch verwandte Erkrankungen, wie Parkinson oder Diabetes mellitus, erfolgreich behandelt werden.

Zusammen mit Forschern der Università Cattolica in Rom konnte zunächst in Zellkulturen nachgewiesen werden, dass die molekulare Pinzette das Verklumpen des Alzheimer-Peptids an den Synapsen verhindert. Im Tierversuch zeigte sich dann, dass sich kurzfristig abgestorbene Nervenzellen mit der molekularen Pinzette neu bilden können. Die behandelten Mäuse erhielten ihre Lern- und Gedächtnisfähigkeit zurück.

„Wir glauben, dass die einzigartige Wirkung der neuen molekularen Pinzette am Prozess der Protein-Verklumpung ansetzt und nicht auf ein bestimmtes Protein beschränkt ist“, so Schrader. Er meint damit, dass CLR01 nur die giftigen, wachsenden Proteinaggregate angreift und nicht normale Prozesse im gesunden Körper. „Noch ist allerdings Geduld erforderlich, denn leider ist die Situation für den Menschen schwieriger. Die Krankheit verläuft schleichend, unsere Nerven sterben nur langsam ab“, sagt Frank-Gerrit Klärner, Schraders Partner. „Deshalb müssen wir die Behandlung so früh wie möglich anfangen. Möglicherweise eignet sich der neue Wirkstoff für eine vorbeugende Behandlung.“

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