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Neurologie 30. Juni 2005

BSE-Tests geben falsche Sicherheit

Die Veranstaltung der Ärztekammer für Niederösterreich "BSE und Schweinefleischskandal" vergangene Woche wurde von einigen hundert Ärzten regelrecht "gestürmt".

Gutes Bild über die Seuchenlage

Im randvollen Kongressraum des Hotel Marriot in Wien sagte Prof. Dr. Herbert Budka: "Die BSE-Tests, die seit Anfang des Jahres in der EU durchgeführt werden, finden zwar zuverlässig Tiere mit Symptomen und geben so ein gutes Bild über die Seuchenlage, aber sie sind nicht geeignet, den Konsumenten Sicherheit zu geben."

Seine Begründung: Während der Inkubationszeit (etwa fünf Jahre) können die Tiere bereits infektiös sein, ohne Symptome zu zeigen und auf den Test anzusprechen. Dieses Risiko trifft auf Länder mit vielen BSE-Fällen (etwa Vereinigtes Königreich: 180.000) zu.

Österreich - darin war sich das hochrangige Podium einig - ist ziemlich sicher. Vor allem durch das Tiermehlverfütterungsverbot für Wiederkäuer seit 1990 und die Importsperren gegen andere EU-Länder befindet sich die Seligen-Insel in einer vergleichsweise ausgezeichneten Lage. Der Bundesminister für Soziales und Gesundheit, Mag. Herbert Haupt, führte aus, dass von den seit Jahresbeginn bisher über 20.000 durchgeführten BSE-Tests kein einziger positiv war.

Ein Problem für die Zukunft könnte nach Budka der "skandalöse Umgang" mit gefährlichem englischem Rindfleisch sein. Nachdem die anderen EU-Länder ein Importverbot dafür eingeführt und auch strikt exekutiert hatten, stieg der Export desselben Rindfleisches vor allem nach Osteuropa und Süd-Ost-Asien sprunghaft an: "Das könnte auch bei den EU-Beitrittsverhandlungen ein Problem werden" (Budka).

Aufsehen erregte der BSE-Spezialist auch mit dem Hinweis auf ein bisher kaum beachtetes Problem: die Möglichkeit der Übertragbarkeit der nach aller Wahrscheinlichkeit von BSE verursachten Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) von Mensch zu Mensch. Für Länder wie England bringt das erhebliche Probleme, etwa bei den Standards der Krankenhaussterilisation.

Budka: "Sollten bei uns auch noch BSE-Fälle auftreten, müssen wir uns zum Beispiel bei den Bluttransfusionen etwas überlegen." Schon jetzt seien Personen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums in England waren, vom Blutspenden ausgenommen.

Einstweilen schlägt sich Österreich aber noch mit anderen Problemen herum. Der niederösterreichische Agrar-Landesrat Dipl. Ing. Josef Plank: "Wir haben die eigenartige Situation, dass wir keinen einzigen BSE-Fall haben, aber die Rindfleischpreise die drittschlechtesten in der EU sind - viel schlechter als in einigen Ländern mit BSE-Fällen." Insgesamt ist der Fleischkonsum in Österreich um 2,3 Prozent zurückgegangen.

Keine seriöse Voraussage

Budka ging auch auf den Unterschied der Variante der CJK zu der schon lange bekannten sporadischen und erblichen Form ein, die mit BSE nichts zu tun haben.

Eine definitive Diagnose ließe sich erst nach dem Tod stellen, im klinischen Bild unterscheidet sich die Variante von der sporadischen CJK vor allem durch das niedrige durchschnittliche Erkrankungs- und Sterbealter (28 beziehungsweise 29), sehr frühe psychiatrische Symptome und auch Gliederschmerzen. Was die Zukunft bringt, lässt sich laut Budka "seriös nicht voraussehen, vor allem weil man die Inkubationszeit der Variante nicht kennt". Geschätzt wird sie auf zehn Jahre.

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