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Neurologie 30. Juni 2005

Alzheimerprävention in Sicht?

Morbus Alzheimer gehört zu den häufigsten dementiellen Erkrankungen der heutigen Zeit. Die Behandlung mit Acetylcholinesterase-Inhibitoren und N-Methyl-D-Aspartat(NMDA)-Rezeptor-Antagonisten ist lediglich symptomatisch. Bis dato steht den MedizinerInnen auch noch keine kausale Therapie zur Verfügung, die Weiterentwicklung des Impfstoffes wird mit großer Erwartung verfolgt.

„Seit rund zehn Jahren wird nun die Rolle des spezifischen Immunsystems bei der Alzheimer-Erkrankung untersucht“, erklärte Dr. Imrich Blasko vom Institut für Biomedizinische Altersforschung, Innsbruck, im Rahmen der 35. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin. Die Überproduktion von pro-inflammatorischen Zytokinen ist, wie der Altersforscher meint, generell ein wesentliches Merkmal des fortgeschrittenen Alters. Es kommt zur Veränderung der T-Zell-Subpopulation, die Menge an Interleukin 2 und Interleukin 4 nimmt ab, die Produktion von IFN-Gamma steigt messbar an. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man in den vergangenen Jahren der Amyloid-beta-Kaskaden-Hypothese. Demzufolge ist ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Abbau von Amyloid-beta ursächlich für die Degeneration der Neuronen und so für die Entwicklung der Krankheitssymptome verantwortlich. Blasko: „Amyloid-beta wird als wichtigstes pathogenetisches Peptid des Morbus Alzheimer betrachtet.“ Nach Abspaltung aus seinem Vorläuferprotein bildet es toxische Produkte, vor allem die Kombination von Amyloid-beta mit TNF-alpha hat eine verstärkende Wirkung auf die Zellapoptose hat. Zudem sind die inflammatorischen Zytokine auch in der Lage, die Produktion von Amyloid-beta anzuregen. Das Peptid wird vom Immunsystem als Auto-Antigen erkannt.

Amyloid-beta reduzieren

Mitte der 90-er Jahre wurde versucht, die Gesamtmenge von Amyloid-beta mittels Immunisierung zu verringern. Durch die Impfung mit dem Peptid kann eine spezifische Immunreaktion eingeleitet werden. Die Wirkung ist über eine Stimulation der Produktion Amyloid-beta-spezifischer Antikörper zu erklären. Diese binden an Amyloid-beta und stimulieren seine Degradation. Da zwischen der Menge von Amyloid-beta im Gehirn und in der Peripherie ein dynamisches Gleichgewicht besteht, führt die periphere Senkung von Amyloid-beta auch zu einer Verminderung der Substanz im Gehirn. Die Antikörper können, indem sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden, Mikrogliazellen aktivieren, die schließlich Amyloid-beta phagozytieren können. Aufgrund der anfänglichen Begeisterung wurde trotz bestehender Skepsis die aktive Immunisierung am Menschen im Jahr 2000 im Rahmen einer Multizenterstudie um den Schweizer Prof. Dr. Christoph Hock durchgeführt. Sie musste allerdings zwei Jahre später wegen Meningoenzephalitis-Zwischenfällen bei rund sechs Prozent der immunisierten Patienten abgebrochen werden. Blasko: „Wahrscheinlich kam es neben der Produktion von Antikörpern auch zu einer exzessiven Aktivierung der T-Zellen, die dafür verantwortlich zeichneten.“

Immunisierung

Insofern wären weitere intensive Forschungen nötig, um einen, wie Blasko meint, sehr interessanten Therapieansatz im Sinne einer aktiven oder passiven Immunisierung bei Alzheimer zur Verfügung zu haben. Jüngere Untersuchungen zeigen den Effekt der Impfung auf das Volumen der Hirnareale, vor allem im Bereich des Hippocampus. „Bei den Impf-Respondern kam es nach einem Jahr zu einer vermehrten Einbuße von Hirnvolumen“, so Blasko. „Im Follow-up konnte diese anfängliche Einbuße jedoch nach einem weiteren Jahr wieder wettgemacht werden, es kam sogar zu einer Vermehrung des Volumens.“ Responder zeigten auch bei geringerem Volumen bessere neuropsychologische Testergebnisse. „Für diese Dissoziation zwischen Gehirnvolumen und neuropsychologischen Daten haben wir noch keine Erklärung“, sagte Blasko.

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