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Neurologie 27. Oktober 2005

Multiple Sklerose: Rehabilitation zeigt Wirkung

Neben einer adäquaten Medikation ist bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) die regelmäßige Rehabilitation ein unbedingt notwendiges Erfordernis.

Zwei Faktoren beeinflussen maßgeblich den Stellenwert der Rehabilitation beim Krankheitsbild der MS: Die Betroffenen erkranken überwiegend im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, und die Krankheit ist derzeit nicht heilbar. „Die Betroffenen müssen sich auf eine lebensbegleitende Erkrankung einstellen“, betonte Dr. Claude Vaney, Medizinischer Direktor des neurologischen Rehabilitations- und MS-Zentrums in Montana/Schweiz, beim 20. MS-Kongress Anfang Ok-tober in Wien. Zur umfassenden Behandlung der neurologischen Erkrankung gehöre – neben einer Therapie mit immunstärkenden Substanzen – folgerichtig auch eine frühzeitige und systematische Behandlung von kognitiven Symptomen und Bewegungsstörungen.

MS-Patienten leiden unter zahlreichen Einschränkungen

„Eine Vielzahl von Störungen machen den Patienten zu schaffen“, erklärte Vaney. Dazu gehören insbesondere Beeinflussungen des Denkprozesses, von denen immerhin 50 Prozent der Erkrankten betroffen sind, aber auch Bewegungsstörungen, Tremor, Sexualfunktions- und Blasenentleerungsstörungen, chronische Müdigkeit und unspezifische Schmerzen. Rehabilitative Maßnahmen helfen gegen fast alle der genannten Störungen, außer gegen kognitive Beeinträchtigungen und Tremor. Ein multidisziplinärer Ansatz ist für ein umfassendes Rehabilitationsprogramm ebenso erforderlich wie die Stützung des Selbstbewusstseins des betroffenen Patienten. Wie wichtig ein selbstbewusster Umgang mit der Erkrankung ist, zeigen rezente Daten aus Teheran, die im Rahmen des MS-Kongresses präsentiert wurden. Dabei zeigte sich bei 34 PatientInnen, die über vier Wochen an einem Programm zur Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbsthilfe teilgenommen hatten, eine deutliche Verbesserung sowohl der kognitiven Störungen als auch der chronischen Müdigkeit.

Regelmäßig Physiotherapie

Zum multidisziplinären Ansatz der ambulanten und stationären Rehabilitation gehören Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Psycho-therapie. „Vor allem eine regelmäßige ambulante Physiotherapie ist wichtig“, sagt Vaney. „Diese kann den Verlauf der Erkrankung bremsen.“ Vor allem für Patienten, die unter einer fortgeschrittenen Erkrankung leiden, empfehlen die MS-Experten jährlich eine statio-näre Rehabilitation an einem spezialisierten Zentrum. Dabei erfolgt die Therapie in einem den spezifischen Störungen angepassten multiprofessionellen Setting.„In der stationären Rehabilitation geht es darum, neben symptomatischen Behandlungsansätzen kompensatorische Mechanismen sowie den eventuell nötigen Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen“, erläuterte Vaney. Zu den multiprofessionellen Teams spezialisierter MS-Reha- Einrichtungen gehören Physio- und PsychotherapeutInnen ebenso wie LogopädInnen, ErgotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen, KrankenpflegerInnen und ÄrztInnen. „Die Versorgung der MS-Patienten in Österreich ist, auch im internationalen Vergleich, derzeit noch gut“, bemerkte Prof. Dr. Karl Vass, Univ.-Klinik für Neurologie Wien. Ob das allerdings so bleiben wird, sei aufgrund der geplanten Umstrukturierungen im Gesundheitswesen fraglich.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 37/2004

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