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Neurologie 30. Juni 2005

Hoffnung für Parkinsonpatienten

"Die Ergebnisse der REAL-PET-Studie bestätigen eindrucksvoll die aufgrund früherer Pilotstudien vermutete Tatsache, dass durch den frühen Einsatz des Dopaminagonisten Ropinirol im Vergleich zu L-Dopa die Degeneration dopaminerger Neuronen und die damit verbundene Progression der Parkinson-Erkrankung nachhaltig verlangsamt werden kann. Für unsere Patienten bedeutet dies mehr gute Jahre im Frühstadium der Erkrankung und womöglich einen nachhaltigen Effekt auf den weiteren Krankheitsverlauf," kommentiert Prof. David Brooks, Neurologe am Hammersmith Hospital, London, UK, die im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Parkinsongesellschaft präsentierten Studiendaten.

Langsamere Progression

Bis dato konnte noch für keine Therapie eine Beeinflussung des Krankheitsverlaufes bei Morbus Parkinson nachgewiesen werden. In präklinischen Studien ergaben sich jedoch Hinweise dafür, dass der Dopaminagonist (DA) Ropinirol (ReQuip®) neuroprotektive Eigenschaften besitzt. Daten aus einer Piloststudie zur 18F-Dopa-Aufnahme bei 45 Parkinson-Patienten zeigten einen Trend zu einer um 20 Prozent langsameren Progression unter Therapie mit Ropinirol im Vergleich zu L-Dopa. Die REAL-PET-Studie (ReQuip® as Early Therapy versus L-Dopa - PET) wurde durchgeführt, um das neuroprotektive Potenzial des DA zu untermauern. 

Neuroprotektionsstudie

Die REAL-PET (ReQuip® as Early Therapy versus L-Dopa - PET) -Studie ist eine doppelblinde Parallelgruppenstudie, die multizentrisch durchgeführt wurde, wobei auch die Univ. Klinik für Neurologie in Innsbruck als eines der Studienzentren an dieser Arbeit beteiligt war. Die Studie war speziell dafür konzipiert, die Veränderung der 18F-Dopa-Aufnahme im Gehirn von Parkinson-Patienten mittels dreidimensionaler Positronen-Emissions-Tomographie (3D-PET) zu verfolgen. Die 3D-PET gilt als modernste und genaueste verfügbare Neuroimaging-Technik (siehe Abb.1). In der Studie wurden 186 Patienten mit Morbus Parkinson im Frühstadium im Verhältnis 1:1 mit Ropinirol (ReQuip®) oder L-Dopa, dem traditionellen und am weitest verbreiteten Parkinson-Medikament, behandelt.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Veränderung der 18F-Dopa-Aufnahme im Putamen innerhalb der zwei Therapiejahre. Die 18F-Dopa-Aufnahme gibt Aufschluss über die Menge der funktionsfähigen dopaminergen Gehirnzellen, die bei Parkinson-Patienten im Laufe der Krankheit immer weiter abnimmt. 

Mehr funktionsfähige Neuronen

Die Analyse aller PET-Scans wurde zentral im Hammersmith Hospital in London durchgeführt. Bei allen Analysen zeigte sich, dass sich die 18F-Dopa-Aufnahme während der zweijährigen Therapie mit Ropinirol weniger verschlechterte als unter L-Dopa. Studienleiter Prof. Brooks: "Wie die Auswertung der Scans zeigte, war der Verlust der 18F-Dopa-Aufnahme im Putamen der mit ReQuip® behandelten Patienten um bis zu 35 Prozent geringer als bei Patienten, die mit L-Dopa behandelt wurden. Das bedeutet, dass bei der Therapie mit ReQuip® innerhalb der zwei Therapiejahre signifikant mehr funktionsfähige dopaminerge Neuronen erhalten bleiben als unter L-Dopa." (siehe Abb.2) 

Inwieweit diese Ergebnisse einer echten Neuroprotektion entsprechen, ist derzeit jedoch nicht zu klären. Brooks: "Dies müsste durch eine eigene Studie evaluiert werden, in der ein Studienarm mit Placebo geführt wird, da auch davon ausgegangen werden könnte, dass L-Dopa selbst einen neurotoxischen Effekt ausübt.?nbsp;

Geringeres Dyskinesie-Risiko 

Sekundäre Studienendpunkte waren die Inzidenz von Dyskinesien, die Motor Scores (UPDRS), die Bewertung der klinischen Beeinträchtigung (CGI - clinical global impression) und unerwünschte Nebenwirkungen. Wie bereits in einer früheren Studie beobachtet werden konnte (Studie 056, Rascol et al., NEJM 2000), traten Dyskinesien unter Ropinirol signifikant seltener auf als unter L-Dopa. Ropinirol-Patienten hatten ein zehnfach geringeres Dyskinesierisiko als L-Dopa-Patienten (drei Prozent versus 25 Prozent, p<0,001). (siehe Abb.3) 
Brooks: "Die Studienresultate sind sehr aufregend. Es wurde gezeigt, dass Ropinirol die mit der Parkinson-Krankheit assoziierte Progression der Dopamin-Dysfunktion verzögert. Das wurde sowohl im Striatum als auch in den Basalganglien nachgewiesen. Diese Resultate sollten in jedem Falle eine Diskussion darüber auslösen, auf welche Weise wir Morbus Parkinson im Frühstadium behandeln."

Dr. Andreas Winkler, Ärzte Woche 23/2002

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