zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 30. Juni 2005

L-Dopa "wichtig aber nicht problemlos"

"Die L-Dopatherapie ist zweifellos nach wie vor eine ganz wichtige Therapie bei Morbus Parkinson. Doch vor allem bei der Langzeittherapie mit L-Dopa können eine ganze Reihe komplexer motorischer Probleme auftreten", weist Prof. Dr. Eduard Auff, Vorstand der Neurologischen Universitätsklinik, Wien, auf ein die Lebensqualität der betroffenen Patienten stark einschränkendes Begleitphänomen der Dopaminersatztherapie hin.

"Dyskinesien stellen die wichtigste Komplikation der chronischen L-Dopa-Behandlung dar. Neben der Dauer der L-Dopa-Therapie stellt das Manifestationsalter einen wesentlichen Risikofaktor dar", weiß Prof. Dr. Werner Poewe, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie, Innsbruck, "nicht wenige erkranken vor dem 40. Lebensjahr."

NMDA-Rezeptor-Subtyp

Prof. Dr. Jonathan Brotchi, University of Manchester, UK, beschreibt die pathophysiologischen Zusammenhänge: "Die Schlüsselstelle der den Dyskinesien zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen liegt in einem gestörten Gleichgewicht zwischen hemmenden und exzitatorisch wirkenden Neurotransmittern im Basalgangliensystem. Vor allem die Überaktivität von Glutamat-Rezeptoren rückt immer mehr in den Blickpunkt der Parkinson-Forschung. Spezielle Bedeutung besitzt der N-Methyl-D-Aspartat-(NMDA) Rezeptor-Subtyp. Die erhöhte NMDA-Rezeptor-Aktivität führt einerseits über das Gaba-erge System, andererseits auch über Störungen anderer Transmittersysteme, beispielsweise Opioid- und Cannabinoid-Rezeptoren, zu einer Hemmung des Output im Stammganglienbereich."

"Nicht kompetitive NMDA- Rezeptor-Antagonisten wie Amantadin (PK-Merz®, Hofcomant®) bieten sich daher zur Behandlung L-Dopa-induzierter Dyskinesien an", meint Prof. Dr. Gregor Wenning, Neurologische Abteilung, Universitätsklinik Innsbruck. In vier doppelblinden, kontrollierten Studien konnte seit 1998 an insgesamt 53 Patienten mit L-Dopa-induzierten Dyskinesien eine signifikante Reduktion der Dyskinesie-Intensität während eines L-Dopa-Tests nach zwei- bis dreiwöchiger adjuvanter Gabe von 200-400mg Amantadin p.o. um 24%-60% nachgewiesen werden. "Dabei zeigte sich keine Verschlechterung der Parkinson-Symptomatik", berichtet Wenning.

Effekt längere Zeit stabil

In einer Nachuntersuchung nach 12 Monaten zeigte sich, dass der antidyskinetische Effekt von Amantadin auch über einen längeren Zeitraum stabilisiert werden kann. (Verhagen-Metmann, 1999).

Auff: "Wesentlich wäre, sich frühzeitig Gedanken zu machen, in welcher Form das Auftreten von Therapiekomplikationen überhaupt vermieden werden könnte. Wir sollten nicht ausschließlich die symptomatische Therapie im Auge haben, sondern auch Möglichkeiten der neuroprotektiven Therapie in Erwägung ziehen. Frühzeitig sollten auch Überlegungen zu Kombinationstherapien angestellt werden, um hohe Dosierungen in der L-Dopatherapie gar nicht erst erreichen zu müssen."

Neueste klinische Untersuchungen scheinen die bislang im Tierversuch gemachten Ergebnisse zu bestätigen, dass NMDA-Antagonisten wie Amantadin solche neuroprotektiven Eigenschaften besitzen.

Komorbidität beachten

Poewe: "Bei leichterer Parkinson-Symptomatik ist auch eine initiale Monotherapie mit Amantadin möglich. Erst mit zunehmender Beschwerdeausprägung müsste dann L-Dopa in Form einer Kombinationstherapie dazu gegeben werden. Möglicherweise könnten Dyskinesien so reduziert werden."

Auff: "Auch die Komorbidität mit verschiedensten Erkrankungen, seien es psychoorganische Probleme, Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch Lebensstil oder Berufstätigkeit der Patienten, müssen bei Überlegungen zu geeigneten Therapiestrategien berücksichtigt werden. Erster Schritt sollte die Dosisreduktion und eine Minimierung der Polytherapie sein. Der Kombination weniger Mittel ist der Vorzug zu geben. Erst der zweite Schritt wäre die symptomatische Behandlung von Nebenwirkungen."

Vor allem bei jüngeren Parkinson-Patienten, die Dopamin- eratz benötigen, sollte die Gabe von Dopaminagonisten zur Ersteinstellung in Betracht gezogen werden.

Poewe: "In prospektiven, randomisierten Vergleichsstudien der letzten Jahre konnte ein signifikant geringeres Dyskinesien-Potenzial für Dopaminagonisten-Monotherapien im Vergleich zu L-Dopa nachgewiesen werden. Auch bei späterer Add-on-Therapie mit L-Dopa blieb das Dyskinesie-Risiko in den Agonisten-Armen der entsprechenden Studien statistisch signifikant geringer als bei L-Dopa-Monotherapie.

Allerdings fanden sich psychiatrische Nebenwirkungen, sowie noch näher zu untersuchende Schlafstörungen und erhöhte Tagesmüdigkeit bei den Dopaminagonisten häufiger."

Quelle: Symposium "Motorische Komplikationen im Verlauf der Parkinson Krankheit . Aktuelle Behandlungsstrategien", 13. Jänner 2001, Hotel City Club, Wien.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben