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Neurologie 30. Juni 2005

Worauf bei Diagnose und Therapie stets zu achten ist

Zwar kann die Parkinsonkrankheit selten schon vor dem 40. Lebensjahr auftreten und in 0,3 Prozent zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr, aber die Inzidenz steigt mit dem Alter deutlich an. Schließlich sind zwischen dem 85. und 94. Lebensjahr 4,3 Prozent der Bevölkerung betroffen. Wenn die ersten Symptome in Form von Ruhetremor, Rigidität, Hypokinesie oder Störung posturaler Reflexe bemerkt werden, bestehen Degeneration dopaminerger Neuronen in der Substanzia nigra und Dopaminmangel im Corpus striatum meist schon seit mehreren Jahren.

Auslösefaktoren

"Als Auslöser fungieren meist exotoxische Substanzen bei genetischer Disposition", erklärte Prof. Dr. Bruno Mamoli, Neurologisches Krankenhaus Rosenhügel, bei einer geriatrischen Fortbildungsveranstaltung. Einige der Gene konnten bereits identifiziert werden. Ebenso weiß man, dass zu den toxischen Substanzen häufig Medikamente zählen. Diese Form findet man bis zu 50 Prozent in Pflegeheimen. Oft erst Monate nach dem Absetzen der Pharmaka erweist sich, ob die Symptome reversibel sind.

Bei erstmaliger Krankheitsfeststellung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Allgemeinärzten besonders wichtig, da frühe Parkinsonsymptome oft unspezifisch sind und eine Abgrenzung erfordern. Mamoli: "In Frage kommen vor allem der essentielle Tremor und Gangstörungen bei Normaldruckhydrocephalus. Möglich sind aber auch Fehldeutungen bei arteriosklerotischer subkortikaler Enzephalopathie oder Verwechslungen der Parkinson-Rigidität mit Verspannungen bei Schmerzsyndromen." Zur Differenzierung müssen auch CT, MRI und Serologie herangezogen werden.

Rechtzeitige Diagnose

Je früher eine richtige Diagnose erfolgt, umso eher können Behandlungsoptionen in die weitere Lebensführung eingeplant werden. Arbeitsunfähigkeit tritt bei 50 Prozent der Erkrankten innerhalb von 5 bis 10 Jahren ein, Pflegebedürftigkeit nach 15 bis 20 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt stehen - nach derzeitigem Wissen - auch kaum mehr Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Unter den medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten ist die Dopaminsubstitution am besten bekannt - sie führt aber leider bei 80 Prozent der Patienten schon nach ungefähr 5-jähriger Gabe zu Nebenwirkungen wie Fluktuation und Dyskinesien.

Therapeutische Möglichkeiten

Es ist daher zweckmäßig, zu Behandlungsbeginn - speziell bei unter 75-jährigen Patienten mit erhaltener kognitiver Leistung - Dopaminagonisten zu verabreichen. Auch andere dopaminsparende Medikamente stehen zur Verfügung. Mit derartigen Kombinationen lässt sich eine deutliche Besserung der Lebensqualität erzielen. In fortgeschrittenem Lebensalter besteht allerdings unter Dopaminagonisten ein vermehrtes Risiko an Verwirrtheitszuständen und Psychosen. Vorbeugend müssen daher andere Auslöser wie Dehydration oder Infekte bekämpft werden. Die Anwendung von Anticholinergika zur Tremortherapie kann ebenso zu kognitiven Störungen führen und ist deshalb seltener indiziert.

Die oft auftretende orthostatische Hypotension kann bekämpft werden durch die Reduktion blutdrucksenkender Medikamente, Zufuhr von viel Flüssigkeit und auch Kochsalz sowie Gabe mehrerer kleiner Mahlzeiten. Alkohol muss limitiert werden.

Bei Anwendung von Medikamenten zur direkten Stimulation dopaminerger Rezeptoren sind gleichzeitige Gaben von Dopamin-antagonistischen Substanzen wie Metoclopramid oder Phenothiazinen zu vermeiden. Bei Gabe retardierter L-Dopa-Formen ist zu beachten, dass deren Bioverfügbarkeit bei nur 70 Prozent der Standardform liegt.

Manchen Patienten in gutem Allgemeinzustand kann bei Fehlen von kognitiven Störungen und Multisyndromen auch eine chirurgische Therapie angeboten werden. Es handelt sich dabei um stereotaktisch platzierte Läsionen, hochfrequente tiefe Stimulation oder zerebrale Implantation von Zellen. Ort des Eingriffes sind Nucleus ventralis intermedius, Thalamus, Globus pallidus oder Nucleus subthalamicus.

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