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Neurologie 30. Juni 2005

Chirurgisch gegen Morbus Parkinson

Bei der fünften Jahrestagung der EFNS (European Federation of Neurological Societies) Anfang Oktober in Kopenhagen berichteten renommierte Parkinson- und Dystoniespezialisten über den neuesten Stand der Forschungen in der Neurologie.

Paul Krack von der Neurologischen Klinik, Universität Kiel, und Pierre Pollak, Department of Neuroscience, Universität Grenoble, Frankreich, erläuterten die sehr vielversprechende Entwicklung in der Chirurgie der Bewegungsstörungen. Die häufigste Bewegungsstörung, für die eine Indikation zur funktionellen Neurochirurgie besteht, ist das fortgeschrittene Stadium des Morbus Parkinson mit schweren motorischen Fluktuationen und Dyskinesien. Eine unbedingte Voraussetzung für einen erfolgreichen Eingriff ist jedoch ein nach wie vor erhaltenes klares Ansprechen auf L-DOPA.

Als Methode der Wahl setzt sich zunehmend die beidseitige stereotaktische Implantation von stimulierenden tiefen Elektroden im Nukleus subthalamicus, die so genannte STN-Stimulierung durch. Durch die hochfrequente Stimulation werden subthalamische Neurone gehemmt und damit der pathologische Output aus diesem Kerngebiet verhindert.

Dazu Paul Krack: "Die klinische Verbesserung am einzelnen Patienten kann spektakulär sein. Mehrere Operationsserien belegen eine deutliche Verbesserung der motorischen Leistungen in den Off-Perioden, eine Verminderung schmerzvoller Dystonien und insgesamt eine deutliche Verbesserung in den ADL-Scores, den Aktivitäten des täglichen Lebens."

Als weiterer Vorteil kann die dopaminerge Therapie im Durchschnitt um die Hälfte reduziert werden, was zusätzlich zu einer Verminderung der Dyskinesien führt. In bisher 4-jährigen Verlaufskontrollen zeigt sich ein Erhalt der beschriebenen Wirkungen. Nicht geeignet scheint die STN-Stimulation jedoch für Patienten mit kognitiven Einschränkungen zu sein, da hier die Gefahr einer Verschlechterung der Demenz gegeben wäre. Als schwere Nebenwirkung ist die Gefahr einer intrazerebralen Blutung in etwa 2 Prozent zu nennen. Das Auftreten postoperative Dyskinesien ist in der Regel durch das Anpassen der Stimulationsfrequenz und der dopaminergen Therapie gut zu beherrschen.

Dr. Fritz Zimprich, Ärzte Woche 2/2001

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