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Neurologie 30. Juni 2005

Tiefe Hirnstimulation eine Chance bei Morbus Parkinson

Trotz der weiteren Fortschritte im Bereich der modernen Pharmakotherapie des Morbus Parkinson gibt es immer wieder Patienten, die nicht ausreichend auf die medikamentöse Behandlung ansprechen oder bei denen Nebenwirkungen eine suffiziente Therapie verhindern.

Bei diesen Patienten sollte eine neurochirurgische Intervention erwogen werden. Viele Zentren haben inzwischen die irreversible läsionelle Behandlung im Sinne einer (Sub-) Thalamotomie oder Pallidotomie zugunsten der reversiblen und adaptierbaren Neurostimulation verlassen.

Kooperation der Patienten außerordentlich wichtig

Prof. Dr. Francois Alesch, Universitätsklinik für Neurochirurgie: "Bei dieser Methode wird eine Stimulationselektrode unter stereotaktischen Bedingungen in lokaler Betäubung am wachen, nicht sedierten Patienten implantiert. Die Kooperation des Patienten während der Operation ist außerordentlich wichtig, da nur so die Wirkung der Stimulation intraoperativ überprüft und Nebenwirkungen erkannt und verhindert werden können."

Intensität der Stimulation kann angepasst werden

Ist der Punkt gefunden, wo mit möglichst geringem Strom ein maximaler Effekt erzielt wird, ohne dass Nebenwirkungen auftreten, wird die Elektrode fixiert und nach außen geleitet. Eine Testphase von mehreren Tagen folgt, in der sich der Patient und der Arzt mittels einem externen Generators von der Wirkung der Stimulation überzeugen können. In einem zweiten Schritt in Allgemeinnarkose erfolgt dann die Implantation eines permanenten Impulsgenerators in eine kleine subkutane Tasche in der Pektoralisregion. Alesch: "Der Patient kann über ein kleines Handprogrammiergerät in einem vorgegebenen Rahmen aktiv in die Behandlung eingreifen und so die Intensität der Stimulation selbst der jeweiligen Situation anpassen."

Durch Wahl der geeigneten Zielstruktur lässt sich jedes der drei Kardinalsymptome des Morbus Parkinson selektiv beeinflussen. "Der Nucleus ventralis intermedius thalami gilt als reiner Tremorzielpunkt. Aber nicht nur der Parkinson-, sondern auch der essenzielle Tremor lässt sich durch Stimulation dieses Kerns unterdrücken. Der Nucleus subthalamicus zeigt Effekte bei allen drei Kardinalsymptomen. Durch die gebesserte Parkinsonsymtomatik können in Folge Medikamente reduziert werden, was auch wieder zu einer Verringerung von Dyskinesien führt", erklärt Alesch. Exklusionskriterien für die Anwendung der tiefen Hirnstimulation sind beispielsweise Patienten mit einer massiven Hirn- atrophie, mit Demenz, nicht zuletzt wegen der nicht vorhandenen Kooperationsfähigkeit, sowie starke Veränderungen durch zerebrovaskuläre Erkrankungen.

Bilateraler Eingriff ohne erhöhtes Risiko

Alesch abschließend: "Wichtig ist auch, dass nur Patienten mit idiopathischer Parkinsonkrankheit auf die Stimulation ansprechen. Die Möglichkeit der Adaptierung an die Bedürfnisse des Patienten sowie die Reversibilität stellen einen wesentlichen Vorteil der Methode gegenüber den läsionellen Verfahren dar. Hervorzuheben ist auch, dass der Eingriff bilateral in einer Sitzung ohne nennenswerte Erhöhung des operativen Risikos durchgeführt werden kann. Auch lassen vorliegende Langzeitergebnisse kein Nachlassen des Stimulationseffektes über die Zeit erkennen."

Quelle: Symposium am 13. Jänner 2001, Hotel City Club, Wien

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