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Neurologie 21. Juni 2012

Wundschmerzbehandlung erfordert Interdisziplinarität

Eine Arbeitsgemeinschaft fördert „die Hilfe zur Selbsthilfe“ durch Schulung von Patienten und Angehörigen.

Chronische Wunden und die damit verbundenen Schmerzen führen meist zu einer sozialen Isolierung der Patienten, zu lang andauernder Arbeitsunfähigkeit und zur Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen. Eine Arbeitsgemeinschaft zur persönlichen und ganzheitlichen Wundbetreuung will die eigenverantwortliche Wundversorgung des Patienten und seiner Angehörigen unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ fördern.

 

Patienten mit chronischen Wunden werden häufig zu Hause versorgt. Kommt es zu einer Verschlechterung der Situation, suchen die Patienten ein Krankenhaus auf oder werden eingewiesen. „Bei erfolgter Heilungstendenz werden diese nach etwa drei bis vier Wochen wieder nach Hause entlassen, um oft nach kurzer Zeit wieder in schlechterem Zustand zurückzukehren“, erläutert Dr. Peter Koo, Chirurg im Krankenhaus St. Elisabeth, seine Erfahrungen. „Durch die fortschreitende Überalterung der Bevölkerung und die gleichzeitige Zunahme von chronischen Wunden ist mit weiteren Belastungen in den kommenden Jahren zu rechnen.“

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wundheilung

Ein idealer Ablauf der Wundheilung bedeutet jedoch eine Wundbehandlung ohne Wundheilungsverschlechterung bzw. -verzögerung. Um dies zu gewährleisten, müssen alle kontraproduktiven Einflüsse – auch medikamentöse – ausgeschlossen werden. Ebenso ausschlaggebend für ein erfolgreiches Wundmanagement ist eine adäquate Behandlung der Grunderkrankung (wie Diabetes mellitus, periphere arterielle Verschlusskrankheit und venöse Insuffizienz).

Der Einsatz von Analgetika in der Wundversorgung erfordert ganzheitlich gesehen eine genaue Risikoabschätzung (soziale Komponente, lokale Situation der Wunde, Grunderkrankung). Analgetika dürfen beispielsweise den Wundheilungsprozess weder verzögern noch darf das Weglassen ein erhöhtes Risiko der Grunderkrankung darstellen. Ebenso darf der Gebrauch von Analgetika die Patienten bei Ausübung ihrer täglichen Tätigkeit (Arbeitsplatz, Autofahren...) nicht beeinträchtigen.

Herausforderung in der Betreuung

Eine Herausforderung für das medizinische Personal zum Wohle der Patienten ist der extramurale Beereich. Um gleichwertig zum stationären Bereich agieren zu können, bedarf es einer Koordinationsstelle, die sowohl in der Diagnose als auch in der Therapie Zufriedenheit für Patienten, Angehörige und das behandelnde medizinische Team sicherstellt. Dabei sollten unterschiedlichste Disziplinen wie Pflegepersonal, Fachärzte, Therapeuten, Ernährungsberater und Sozialarbeiter reibungsfrei nach einem gut durchdachten Algorithmus arbeiten können. Hauptverantwortlich sind dabei die Wundmanager in Absprache mit den Ärzten.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus einer Wundmanagerin im niedergelassenen Pflegebereich und mir, befasst sich nun mit der Frage, wie die eigenverantwortliche Wundversorgung des Patienten und seiner Angehörigen zu Hause in der Form ,Hilfe zur Selbsthilfe‘ funktionieren kann“, so Koo. Ziel ist, den Patienten durch Schulungen zum „mündigen Patienten“ hinzuführen, der Fehlentwicklungen im Heilungsprozess auch selber beurteilen kann. „Wichtig für uns ist auch der Schulungsprozess der Angehörigen“, so Koo.

Der Wundmanager ist bei der Betreuung dieser Patienten mit chronischen Wunden die Koordinationsstelle. Dieser Bereich umfasst unter anderem die psychische Komponente, weil chronischer Schmerz auch depressives Stimmungsbild verursachen kann, aber auch die soziale Komponente, beispielsweise die Auswahl adäquter Schuhe für den Arbeitsplatz, um die Arbeitsfähigkeit trotz Wunde zu erhalten.

„Das Zusammenspiel extramuraler Bereich/Wundordination – in Kooperation mit einer Krankenhaus-Ambulanz oder Tagesklinik – kann den Heilungsprozess der Patienten fördern und dadurch auch gesundheitspolitisch Kosten senken helfen“, so der Chirurg. Zu berücksichtigen sind auch stationäre kurzfristige Aufenthalte der PatientInnen zur Optimierung der Grundkrankheit. Standardisierte Prozessabläufe durch Anwendung eines kontinuierlichen Betreuungsteams sind dafür jedoch Voraussetzung.

 

Informationen zu dem Projekt finden Betroffene und Angehörige unter www.deinewunde.at .

 

Quelle: Pressegespräch anlässlich des 6. Wiener Schmerztages, 22. März 2012, Wien

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