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© Marcello Bortolino / iStockphoto
 
Neurologie 26. Juni 2012

Selbsthypnose mit Smartphone

Moderne Informationstechnologie öffnet neue Horizonte für Neurologen und ihre Patienten.

Smartphone-Apps zur Evaluation von Demenz direkt am Krankenbett, Selbsthypnoseprogramme aus dem Handy bei Migräne-Attacken, Homevideos zur präziseren Epilepsiediagnose: Das sind nur einige Beispiele für den Einsatz moderner Informationstechnologien in der Neurologie, von denen Patienten und Ärzte profitieren.

 

„Die moderne Informationstechnik und insbesondere die Smartphone-Revolution haben für Neurologen, neurologische Patienten und deren Angehörige völlig neue Horizonte eröffnet“, meint Dr. Hannah Cock, St. George‘s University, London. „Der nächste Schritt muss sein, diese neuen Optionen weithin bekannt zu machen und konsequent in den klinischen Alltag zu integrieren, um diese diagnostischen und therapeutischen Verbesserungen auf breiter Basis zu nützen.“

Selbsttherapie und Gedächtnisstützen

Neue Smartphone-Applikationen vereinfachen Patienten schon heute das Leben, z.B. Beispiel durch Migräne- oder Epilepsietagebücher für die genaue und zeitnahe Dokumentation der Attacken, was Ärzten die präzisere Einstellung der Therapie ermöglicht. Oder durch verbesserte Versionen der schon länger bekannten „Pill Reminder“, in denen nun auch komplexe Einnahmevorschriften vieler unterschiedlicher Medikamente und Einnahmerhythmen programmiert werden können – ein wirksamer Schutz vor Fehl- oder Untermedikation.

Migränepatienten können aber in ihrem Handy jetzt auch ein Therapieprogramm mit sich führen: „Alleviate Migraine“ aus der Reihe „iCan Hypnosis“ ist ein Selbsthypnoseprogramm, mit dem die Kopfschmerzattacken bereits im Anfangsstadium abgefangen oder gelindert werden sollen.

Von Demenzdiagnose bis Aufklärung

Neurologen profitieren davon, dass innovative Programme immer mehr Aspekte ihres Fachgebiets über iPhone oder Android jederzeit Manteltaschen-handlich verfügbar machen. „Zum Beispiel erlauben standardisierte Tools die unmittelbare Einschätzung der Schwere von Demenz, indem Patienten am Touchscreen bestimmte Aufgaben zu bewältigen versuchen, die in Echtzeit ausgewertet werden“, berichtet Cock. Anwendungen wie der „Sylvius MR-Atlas des menschlichen Gehirns“, der „Nerve Whiz oder der „ECG-Guide“ erleichtern es, den Patienten zu zeigen, wo das Problem liegt oder an welcher Stelle behandelt werden muss. „Wenn es früher manchmal schwierig war, zu erklären, was genau bei einer Gehirnoperation geschehen wird, kann ich es mittels Brain Tutor 3D nun plastisch und dreidimensional auf meinem Handy oder Tablet-Computer zeigen.“

Homevideo vom Epilepsie-Anfall

Auch die mittlerweile fast allgegenwärtige Möglichkeit, zuhause Videos aufzunehmen, kann Neurologen die Arbeit wesentlich erleichtern und ihre Behandlungen treffsicherer machen. „Wenn die Angehörigen von Patienten mit Epilepsie, bestimmten Bewegungsstörungen oder Schlafstörungen dazu angeleitet werden, solche Ereignisse aufzuzeichnen, haben wir eines unserer wichtigsten Probleme gelöst: die Unzuverlässigkeit der Schilderungen von Zeugen, die oft nicht wissen, welche Details des Anfalls für uns wichtig sind“, so Cock.

Projekt ebrain

Einer der bedeutendsten Vorteile des Internet ist die Ortsunabhängigkeit von Information sowie die Möglichkeit, diese multimedial aufzubereiten. Diese Vorteile nutzt das Projekt ebrain, die bisher ehrgeizigste neurowissenschaftliche E-Learning-Plattform mit bereits 10.000 registrierten Usern. „Als Initiative des britischen Joint Neurosciences Council, die europaweit zur Verfügung steht, stellt ebrain den kompletten Stand heutiger Neurowissenschaften zur Verfügung – in 550 Lektionen, die jeweils in handlichen 20 Minuten zu bewältigen sind“, erklärt Cock.

Quelle: www.ebrainjnc.com/index.html

 

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