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Neurologie 20. Juni 2012

Gegen Parkinson wird jetzt geimpft

In Wien erhalten erstmals Parkinsonpatienten einen Impfstoff, der nicht nur die Symptome lindern, sondern den Krankheitsprozess bremsen soll.

Anders als in früheren Versuchen richtet sich die neue Vakzine gegen Ablagerungen in den Lewy-Körperchen.



Mit einer Impfung wollen Forscher erstmals direkt in den Krankheitsprozess bei Parkinson eingreifen. So soll die Vakzine mit der Bezeichnung PD01A die Produktion von Antikörpern gegen Alpha-Synuclein-Aggregate auslösen.

Diese Aggregate bilden zusammen mit Ubiquitin die Hauptbestandteile der Lewy-Körperchen, also jenen Strukturen, sie sich in beschädigtem Hirngewebe bei Parkinsonkranken bilden.

Nach Angaben des Unternehmens Affiris, das den Impfstoff entwickelt hat, werden 32 Patienten im frühen Krankheitsstadium (Hoehn&Yahr I/II) an der Studie teilnehmen. Sie erhalten zusätzlich zur medikamentösen Standardtherapie vier Impfungen.

Prüfung der Verträglichkeit von zwei Dosierungen


Primäres Ziel ist es, die Sicherheit und Verträglichkeit von zwei verschiedenen Dosierungen der Vakzine zu prüfen. Zudem werden die gebildeten Antikörpertiter gegen Alpha-Synuclein analysiert und die Konzentrationen des Proteins im Liquor gemessen oder im Gehirn per Bildgebung ermittelt.

Schließlich erfassen die Ärzte mit gängigen Parkinson-Skalen auch klinische Veränderungen. Als Kontrollgruppe dienen acht Patienten ohne Impfung. Die Studie findet in Wien in der Confraternität Privatklinik Josefstadt statt und ist auf ein Jahr angelegt.

Mäuse blieben beweglicher

 

In Tierversuchen hatte der Impfstoff zur Bildung von Antikörpern geführt, die ausschließlich Alpha-Synuclein, nicht aber das neuroprotektive Beta-Synuclein erkennen.

Mit der Therapie ließen sich im Mausmodell für Parkinson die zerebralen Alpha-Synuclein-Spiegel senken, und die mit Alpha-Synuclein assoziierte Neurodegeneration konnte gebremst werden. Die behandelten Tiere zeigten dadurch weniger Funktionseinschränkungen.

Die Parkinsonimpfung ist bereits der zweite Versuch, eine neurodegenerative Erkrankung durch eine Vakzine zu bremsen.

Ein Impfstoff gegen Beta-Amyloid-Aggregate bei Alzheimer zeigte gemischte Resultate: Zwar ging die Amyloidlast bei einigen Patienten tatsächlich deutlich zurück, dies wirkte sich aber nicht unbedingt auf die kognitiven Fähigkeiten aus.

Forscher vermuten, dass das Gehirn bei Alzheimerpatienten bereits zu sehr geschädigt ist und eine Therapie gegen Amyloid daher nur noch wenig nützt. Damit muss man vermutlich auch bei einer Therapie gegen Alpha-Synuclein bei bereits erkrankten Parkinsonpatienten rechnen.

In einer der Alzheimerstudien kam es bei einigen Patienten zudem zu einer schweren Meningoenzephalitis. Dies muss man dank verbesserter Impfstoffe inzwischen wohl weniger fürchten.

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