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Neurologie 26. Mai 2009

Schlaganfallprävention neu

Bei den BrainDays 2009 werden die neuen Konsensusempfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung (ÖGSF) vorgestellt.

Die Lebenserwartung steigt pro Jahrzehnt um etwa 2,6 Jahre – ein Umstand, der sich auch in der Zunahme der zerebralen Schlaganfälle widerspiegelt. Aktuell erleiden jährlich ungefähr 20.000 Österreicher einen Insult, bereits 2020 werden es um 5.000 Erkrankungsfälle pro Jahr mehr sein. Experten sehen im rigorosen Einsatz präventiver Maßnahmen ein wesentliches Potenzial, Schlaganfälle und bleibende Behinderung künftig besser in den Griff zu bekommen.

 

Bei den BrainDays 2009 beziehen Experten Stellung zu aktuellen Entwicklungen im Schlaganfallmanagement und diskutieren deren Relevanz für die klinische Praxis unter besonderer Berücksichtigung des multimorbiden, geriatrischen Patienten.

Die Diagnostik und Therapie altersassoziierter neurologischer Erkrankungen ist einerseits komplex und setzt andererseits hohe fachliche und fächerübergeifende Kompetenzen voraus. Vor diesem Hintergrund nehmen die Geriatrie generell und die Neurogeriatrie im Speziellen einen immer höheren Stellenwert ein. „Der alte Mensch bedarf einer besonderen diagnostischen und therapeutischen Expertise. Genauso wenig wie ein Kind als ‚kleiner Erwachsener‘ betrachtet werden kann, können Erkenntnisse über junge Menschen 1:1 auf Menschen im höheren Lebensalter umgesetzt werden“, so Dr. Michael Ackerl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie. Ebenso möchte ich, Neurologe am Haus der Barmherzigkeit und wissenschaftlicher Leiter der BrainDays, die Bedeutung der Neurologie in der Geriatrie bestätigen: „Neurologische Erkrankungen sind bei hochbetagten Patienten vielfach von weiteren Grunderkrankungen begleitet. Deshalb wird für die Fächer Geriatrie und Neurologie ein breites und herausforderndes Aufgabengebiet heranwachsen.“

Stroke Units retten Leben

Menschen mit Schlaganfall und Transitorischer ischämische Attacke (TIA) benötigen eine Versorgungsstruktur, die Akutbehandlung und Rehabilitation verknüpft und eine durchgängige Betreuung der Betroffenen ermöglicht. Dieser Idee liegt das Konzept der Stroke Units zugrunde. Unter Einsatz personeller Spezialisierung und der Schaffung von eigenen räumlichen Bereichen sollte dieses Versorgungskonzept auf die individuellen Bedürfnisse und Notwendigkeiten der einzelnen Patienten eingehen.

In Österreich existieren derzeit 34 Stroke Units. Geplant ist die Schaffung von 40 Abteilungen. Studien zeigen, dass eine Stroke Unit das Risiko für Tod oder Behinderung um relativ 15 Prozent und absolut um vier Prozent reduzieren kann. „Es gibt kaum eine Versorgungsstruktur, deren Wirksamkeit auf einer so breiten Basis von Studien beruht. Wenn 1.000 Personen nach einem Schlaganfall auf einer Stroke Unit betreut werden, können – im Vergleich zur Behandlung auf einer allgemeinen Station – 40 Personen mehr vor Tod und Behinderung bewahrt werden“, so Prim. Prof. Dr. Wilfried Lang, Vorstand der Abteilung für Neurologie und Neurologische Rehabilitation am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Wien.

Konsensusstatement der ÖGSF

Die Österreichische Gesellschaft für Schlaganfallforschung hat im Jänner 2009 das Positionspapier aus dem Jahr 2007 überarbeitet und neueste Forschungsergebnisse in die Empfehlungen zur Prävention einfließen lassen. Prim. Doz. Dr. Klaus Berek, Leiter der Abteilung für Neurologie am Bezirkskrankenhaus Kufstein, wird im Rahmen der BrainDays die neuen Konsensusempfehlungen der ÖGSF, die demnächst in der aktuellen Version publiziert werden, vorstellen.

Grundsätzlich ist die intravenöse Lysetherapie mit rt-PA die empfohlene Behandlung des ischämischen Schlaganfalls innerhalb der ersten drei Stunden nach Symptombeginn. Aktuelle Studien konnten die Wirksamkeit von rt-PA bis zu 4,5 Stunden nach Symptombeginn des ischämischen Schlaganfalls nachweisen, weswegen diese Behandlung bei kritischer Bewertung von Aus- und Einschlusskriterien in diesem Zeitfenster empfohlen werden kann. Bei Patienten mit TIA oder ischämischem Schlaganfall und Vorliegen einer kardialen Emboliequelle wird eine orale Antikoagulation mit INR-Werten von zwei bis drei empfohlen. Sind TIA oder ischämischer Schlaganfall von LDL-Werten über 100 mg/dl begleitet, sollte mittels Lebensstilmodifikation, diätischen Maßnahmen und einem Statin behandelt werden, unabhängig davon, ob eine koronare Herzerkrankung vorliegt oder nicht. Bei der symptomatischen hochgradigen Carotisstenose stellt – im Gegensatz zur asymptomatischen – die Carotisendarterektomie die Standardbehandlung dar. Jeder nicht kardioembolische Schlaganfall bedarf einer Sekundärprävention mit einem Thrombozytenfunktionshemmer, die nach Möglichkeit lebenslang erfolgen sollte. Für diese Therapie stehen Acetylsalicylsäure, Acetylsalicylsäure plus Dipiridamol und Clopidogrel zur Verfügung.

Dr. Michael Ackerl, Prim. Prof. Dr. Wilfried Lang und andere internationale Experten werden bei den BrainDays 2009 aktuelle Standards und neueste Erkenntnisse rund um das Thema Schlaganfall präsentieren und mit den Kongressteilnehmern diskutieren.

 

www.braindays.at

Von Prim. Dr. Andreas Winkler, MSc, Ärzte Woche 21 /2009

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