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Foto: Privat
Ass. Dr. Annamaria Painold, Grazer Univ.-Klinik für Psychiatrie
 
Neurologie 26. Mai 2009

Angriff der Angst

Für das Jahr 2008 vergab der Springer-Verlag zum ersten Mal den mit 1.500 Euro dotierten Förderpreis der Zeitschrift Psychiatrie & Psychotherapie. So sollen junge Forscherinnen und Forscher angespornt werden, wissenschaftlich zu publizieren. Der Preis ging dieses Jahr an Dr. Annamaria Painold. Die Ärzte Woche sprach mit der Autorin über ihre Arbeit – und über Angst.

Was war das Thema Ihrer Arbeit?

PAINOLD: „Panikattacken, depressive Verstimmungen und Anfälle“ ist der Fallbericht einer 28-Jährigen mit Panikattacken-ähnlichen Symptomen. Die Differenzialdiagnose deutete zunächst auf psychogene Anfälle oder Panikattacken hin, Therapieversuche waren aber nicht erfolgreich. Erst die weiterführende Diagnose zeigte, dass die Symptome der mittelgradig depressiven Patientin auf fokale epileptische Anfälle zurückzuführen waren.

Das war aber nicht meine erste Arbeit zu Depressionen bei Epilepsie-Patienten. Ich habe an der Grazer Neurologie – an der Schwerpunktabteilung für Epilepsie – dissertiert. Dabei hat sich in Tests an 70 Patienten bestätigt, dass bei Patienten mit Temporallappen-Epilepsien die Depression als häufige Komorbidität auftritt. Dazu gehen Temporallappen-Anfälle auch manchmal mit einer Symptomatik einher, die der Panikstörung ähnelt. Die Betroffenen empfinden Angst, sind erregt und fühlen sich unwohl. Die Panikstörung von einer epileptischen Erkrankung zu unterscheiden, ist deshalb nicht immer einfach.

 

Warum haben Sie von der Neurologie zur Psychiatrie gewechselt?

PAINOLD: Ich bin seit Anfang 2007 an der Psychiatrie tätig und was mich an der Arbeit in diesem Fach fasziniert, ist, dass mehr Zeit zur Verfügung steht, um sich mit der individuellen Geschichte eines Menschen zu beschäftigen. Neben den körperlichen Symptomen werden auch die Ideale und Wertvorstellungen, das soziale Umfeld und alles, was das Leben ausmacht, betrachtet. Da gleicht keine Geschichte der anderen.

 

Womit beschäftigen Sie sich jetzt und wie geht es weiter?

PAINOLD: Ich habe auch eine Ausbildung in der Verhaltenstherapie, die ja bei Angststörungen sehr wirksam ist. Und seit Ende 2008 gibt es an der Grazer Psychiatrie ein gezieltes stationäres Therapieangebot für Patienten mit Angsterkrankungen. Die psychopharmakologische Behandlung geht hier Hand in Hand mit intensiver psychotherapeutischer Betreuung.

Dabei setzen wir bei gerichteten Ängsten zum Beispiel Konfrontationsverfahren ein: Leidet ein Patient etwa an Höhenangst, dann steigt ein Therapeut mit ihm so oft auf einen Turm, bis die Angst weg ist. Ziel ist, dass der Patient den Anstieg von Unruhe und Angst zwar verspürt, durch den Verbleib in der Situation die Angst aber auf ein erträgliches Maß reduziert wird.

Patienten mit Panikstörungen können die nächste Angst-Attacke nicht vorhersehen und haben auch in symptomfreien Phasen oft Angst vor der Angst. Ihnen helfen Strategien zur Bewältigung der Angstzustände und körperlichen Symptome.

Neben der Arbeit mit Angstpatienten möchte ich mich in Zukunft aber auch der Erforschung der Emotionsverarbeitung, besonders bei Angst und Depressionen, widmen.

 

Wovor haben Sie Angst?

PAINOLD: Spinnen sind nicht meine besten Freunde – je größer die Spinne, umso größer die Distanz.

 

Das Gespräch führte Mag. Tanja Fabsits

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