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Mehr als 12 Jahre Profiboxen schaden den kognitiven Fähigkeiten.
 
Neurologie 21. Mai 2012

Profiboxen: Nicht mehr als zwölf Jahre

Entwicklung kognitiver Defizite kalkulieren.

Boxer und andere professionelle Kampfsportler erleiden in ihren Kämpfen immer wieder Schädeltraumata. Wie man aus früheren Arbeiten weiß, hängt das Ausmaß der Schädigung des Gehirns und resultierender kognitiver Defizite dabei wesentlich von der Länge und Intensität der Kämpfe ab. Ergebnisse der „Professional Fighters Brain Health Study“, die auf dem diesjährigen AAN-Kongress in New Orleans präsentiert wurden, legen nahe, dass es bei der Länge der Kampfkarriere einen Schwellenwert von etwa zwölf Jahren gibt, ab dem kognitive Defizite deutlich werden, obschon ein Schrumpfen des Gehirnvolumens bereits früher messbar ist.

 

In der „Professional Fighters Brain Health Study” (Bernick C: „The threshold effect of repeated head trauma on brain structure and cognition: The Professional Fighters Brain Health Study”) wurden 78 Profikämpfer computerbasierten kognitiven Tests und einer MRT-basierten Volumenmessung des Gehirns unterzogen. Die Kämpfer wurden nach der Zahl der Kampfjahre in drei Gruppen (≤ 6 Jahre, 6-12 Jahre und > 12 Jahre) eingeteilt. Die Kampfgeschichte, unter anderem die Zahl der Kampfjahre sowie die Zahl der Kämpfe pro Jahr, wurde aus veröffentlichten Kampfergebnissen sowie Angaben der Sportler erhoben. 94 Prozent der Profis waren männlich, das mittele Alter betrug 29 Jahre (19 bis 42 Jahre), und die Zahl der Kampfjahre reichte von einem Jahr bis zu 25 Jahren.

Ab sechs Kampfjahren waren die Zahl der Kampfjahre und die Frequenz der Kämpfe mit geringeren Volumina des Hippocampus, des Nucl. caudatus und des Thalamus korreliert. Während es in der Gruppe mit unter zwölf Kampfjahren keinen Zusammenhang mit kognitiven Parametern gab, zeigte sich in der Gruppe mit mehr als zwölf Kampfjahren eine negative Korrelation mit dem Gedächtnis-Score und der Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen. Auch altersbereinigt blieb dieser Effekt erhalten.

Nach dieser Studie, die mit jährlichem MRT und kognitiven Tests fortgesetzt werden soll, ist ein Schwellenwert wahrscheinlich, ab dem sich kognitive Defizite manifestieren. Ein solcher Schwellenwert könnte bei etwa zwölf Kampfjahren liegen und sollte von Profisportlern und ihren Ärzten berücksichtigt werden, um die Entwicklung einer chronisch traumatischen Enzephalopathie möglichst abzuwenden.

springermedizin.de/gf, Ärzte Woche 20 /2012

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