zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 8. Februar 2012

Schrumpfender Hippocampus

Alzheimer-Demenz durch stumme Hirninfarkte?

Stumme Schlaganfälle gehen oft mit Gedächtnisproblemen und hirnorganischen Veränderungen einher, wie sie bei beginnendem Morbus Alzheimer typisch sind. Möglicherweise können diese Insulte eine Alzheimer-Demenz beschleunigen oder sogar auslösen.

 

Bislang dominiert die Amyloid-Hypothese die Alzheimer-Forschung, allerdings sind reine Amyloid-Pathologien nur bei etwa fünf Prozent der Demenzpatienten zu beobachten. Die Amyloidlast im Gehirn korreliert nicht immer mit der kognitiven Leistung. Bei einem Großteil der Alzheimer-Patienten liegen auch vaskuläre Schäden vor. Es ist also nicht einfach, eine vaskuläre von einer Alzheimer-Demenz klar abzugrenzen.

Differenzierung bald obsolet?

Eine aktuelle Studie liefert nun weitere Hinweise: Vaskuläre Probleme können offenbar direkt in eine Alzheimer-Demenz münden. Stumme Hirninfarkte schädigen das Gedächtnis und lassen den Hippocampus schrumpfen – ein kleiner Hippocampus gilt wiederum als Frühindikator für eine Alzheimer-Demenz.

In ihrer Studie haben Forscher einer Arbeitsgruppe um Dr. Adam Brickman aus New York bei knapp 660 älteren Teilnehmern ohne Demenz das Gehirn per MRT untersucht. 174 davon, das sind 26 Prozent, zeigten Zeichen bisher unbemerkter Schlaganfälle, meist in subkortikalen Bereichen. Diese Personen schnitten in Kognitionstests deutlich schlechter ab als Teilnehmer ohne Infarkte. Erwartet hatten die Forscher allerdings nur Defizite bei Sprachverarbeitung und bei Exekutivfunktionen wie Planen, Entscheidungen treffen, Impulskontrolle oder motorischer Steuerung. Diese Funktionen sollten bei einer beginnenden vaskulären Demenz primär beeinträchtigt sein. Die Teilnehmer mit stummen Infarkten hatten zusätzlich deutliche Gedächtnisprobleme, typisch eher für eine beginnende Alzheimer-Erkrankung. Volumenmessungen ergaben, dass der Hippocampus bei solchen Patienten deutlich geschrumpft war. Die Forscher mutmaßen, dass bei vielen Alzheimer-Patienten vaskuläre Schäden nicht nur ein Begleitphänomen, sondern Teil der Alzheimer-Pathologie sind.

Multiple Hirnschädigung

Wie Infarkte, schrumpfender Hippocampus und alzheimertypische Amyloid-Ablagerungen zusammenhängen, darüber lässt sich bislang nur spekulieren. Möglicherweise bekommt es der Gedächtniszentrale im Hippocampus nicht gut, wenn kortikale und subkortikale Verbindungen durch stumme Infarkte abbrechen. Zudem reagiert die Struktur empfindlich auf Ischämien, sie könnte also auch direkt unter der schlechten Gefäßfunktion bei Infarktpatienten leiden. Brickmans Team geht jedenfalls davon aus, dass bei den meisten Demenz-Patienten mehrere Mechanismen wirken. Eine Alzheimer-Demenz wäre dann die Konsequenz aus einer multiplen Hirnschädigung.

Literatur: S. Blum et al. Neurology 2012, Epub 2.01. 2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben