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Foto: photos.com
Patienten mit unspezifischen Nackenschmerzen können sich mit physiotherapeutischen Bewegungsübungen selbst gut helfen.
 
Neurologie 30. Jänner 2012

Selbst Hand anlegen

Eigene Übungen helfen ebenso gut gegen Nackenschmerzen wie Chirotherapie – und besser als Medikamente.

Mit physiotherapeutischen Bewegungsübungen, die von den Patienten nach Anleitung selbstständig ausgeführt werden, lassen sich Nackenschmerzen bestens behandeln. Auch die Hände des Chiropraktikers können nicht viel mehr bewirken, und eine alleinige Therapie mit Medikamenten schon gar nicht.

 

Dr. Gert Bornfort von der Northwestern Health Sciences University in Minneapolis hatte zusammen mit seinen Kollegen für eine Studie 272 Patienten rekrutiert, die seit zwei bis zwölf Wochen an unspezifischen Nackenschmerzen laborierten (Ann Intern Med. 2012; 156: 1). Die Probanden wurden auf drei Gruppen randomisiert: Sie bekamen entweder Medikamente (NSAR, eventuell auch Opioide und Muskelrelaxanzien), wurden zum Chiropraktiker geschickt oder erhielten eine zweistündige physiotherapeutische Unterweisung in die Selbstmobilisierung des Nacken- und Schulterbereichs. Der Erfolg der einzelnen, jeweils zwölfwöchigen Behandlungen wurde über ein Jahr hinweg beobachtet und dokumentiert.

Arzneimittel brachten den geringsten Erfolg

Am wenigsten wirksam war die alleinige Arzneitherapie. Nur jeder dritte Patient gab nach zwölf Wochen an, seine Schmerzen hätten um mehr als 75 Prozent abgenommen. In der Chirotherapiegruppe waren dies knapp 57 Prozent und in der Gruppe, die ihre Beschwerden selbst behandelte, 48 Prozent – die Differenz zwischen den letzten beiden Gruppen war indes nicht signifikant. Sowohl die Chirotherapie als auch die selbst ausgeführte Physiotherapie waren der ausschließlich medikamentösen Therapie auch über das gesamte folgende Jahr hinweg überlegen, was den Grad der Nackenschmerzen anging. Hingegen gab es zwischen der Chiro- und der Do-it-yourself-Physiotherapie zu keinem Zeitpunkt einen signifikanten Unterschied.

In einem Kommentar zur Studie weisen die beiden australischen Ärzte Dr. Bruce Walker (Murdoch University) und Dr. Simon French (University of Melbourne) auf ein zwar geringes, aber belegbares Risiko hin: Unter einer Chirotherapie am Nacken kann mit ruckartigen, schnellen Bewegungen ein Schlaganfall ausgelöst werden – bedingt durch eine Dissektion der Arteria vertebrales (Ann Intern Med. 2012; 156: 52). Darüber müsse man die Patienten informieren, betonen die beiden Mediziner, die selbst chiropraktisch tätig sind. Angesichts der geringen Unterschiede in den Erfolgsraten empfehlen sie Ärzten, bei der Wahl der Therapie von Nackenschmerzen nicht zuletzt die Vorlieben ihrer Patienten zu berücksichtigen. ÄZ/FH

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