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Neurologie 6. Dezember 2011

ECTRIMS

Multiple Sklerose - Angst vor Mobilitätsverlust

Von 19. bis 22. 10. 2011 fand in Amsterdam der fünfte Europäische und Amerikanische Kongress für Multiple Sklerose (ECTRIMS/ACTRIMS) statt.

Welche Symptome wann auftreten, zu welchen Beeinträchtigungen es kommt und wie ausgeprägt diese sind, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. „Rund 90 % aller Patienten haben einen schubförmigen Verlauf, nur rund 10 % leiden an einem primär progredienten Verlauf. Bei etwa 40 bis 50 % der Patienten mit schubförmiger MS geht die Erkrankung ohne Behandlung nach zehn bis 15 Jahren in die sekundär progrediente Verlaufsform über. Patienten ohne schubförmigen Verlauf haben bis heute noch keine adäquate Therapie. Aber auch für Patienten, die an einem sekundär progredienten Verlauf (SPMS) ohne aufgepfropften Schüben leiden, gibt es bis heute keine wirksame kausale Therapie“, so Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck, im Rahmen eines Journalisten-Workshops am Rande des ECTRIMS. Bei der schubförmigen MS soll durch Langzeit- oder Basistherapien weiteren Schüben vorgebeugt und das Fortschreiten der MS verlangsamt werden. Dabei soll mit der Basistherapie möglichst frühzeitig nach der Diagnosestellung begonnen werden, um so die Progredienz zu verlangsamen. „Das therapeutische Fenster liegt hier zwischen EDSS null und vier“ so Berger.

Für 70 % von bereits gehbeeinträchtigten MS-Erkrankten ist die Gehbeeinträchtigung der herausforderndste Aspekt der Krankheit. Beeinträchtigungen beim Gehen haben jedoch nicht nur physische Konsequenzen sondern stellen auch ein psychisches Problem dar. Berger weist in Bezug auf Gangunsicherheiten auch auf deren engen Zusammenhang mit Depressionen hin.

„Unabhängig von der Diagnostik hat die Häufigkeit von MS seit den 50er Jahren deutlich zugenommen“, betont der Experte. „Das Verhältnis Frauen zu Männer hat sich sehr stark verändert und liegt heute bei 3:1“, fährt Berger fort. Den Anstieg von Autoimmunerkrankungen führt er vor allem auf den veränderten Lebensstil zurück und auch auf den Unterschied zwischen dem weiblichen und männlichen Immunsystem. „Männer haben weniger Potenzial zu zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems“, so. Berger. Die lang vorherrschende Meinung, dass hormonelle Kontrazeption schuld am massiven Anstieg von Autoimmunerkrankungen bei Frauen sei, räumte Berger aus.

Zusammenfassend ergänzte Berger: „Multiple Sklerose ist eine höchst individuelle Krankheit. Aufgrund der fortschreitenden Forschung und der daraus entstandenen Therapiemöglichkeiten ist es heute möglich, jedem Patienten eine für ihn passende Therapie zuzuführen, um den Krankheitsverlauf möglichst lange zu verzögern und diesem somit ein Leben mit einer hohen Lebensqualität zu ermöglichen.“

Quelle: ots.at

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