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Neurologie 6. Dezember 2011

Architektur des Gehirns verändert

Zusammenhang zwischen kognitiver Störung und Veränderungen von Kommunikationsprozessen bei MS neu entdeckt.

Multiple Sklerose verläuft bei jedem Betroffenen anders und ist unberechenbar. Forscher kamen einem Rätsel der Krankheit jetzt näher und analysierten, wie MS die Architektur des Gehirns verändert.

 

In Normalfall funktioniert das menschliche Gehirn wie eine Art Schaltzentrale. Verschiedene Nervenfasern leiten hier die Impulse über das Rückenmark zum Körper und werden dort empfangen. Die Nervenfasern sind von einer Isolierschicht umgeben. Bei MS attackiert das körpereigene Immunsystem aus noch ungeklärten Gründen genau dieses Myelin. Die Folge: Botschaften können nicht mehr wirkungsvoll übertragen werden. Was häufig mit einem Kribbeln in den Beinen oder Flimmern im Sichtfeld beginnt, führt im weiteren Verlauf meist zu schweren Bewegungsstörungen oder auch kognitiven Verlusten wie z.B. bei Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisleistungen.

Neu entdeckt

Bislang deutete die Wissenschaft starke Kopplungen zwischen verschiedenen Hirnarealen als Zeichen einer besseren Verarbeitung der Informationen. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. A. Engel vom Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf zeigte nun, dass auch das Gegenteil zutreffen kann. Ihre Untersuchungen von MS-Patienten durch funktionelle MRT ergaben: Je stärker die Nervenfasern im Gehirn geschädigt und kognitive Prozesse beeinträchtigt waren, desto mehr kommunizierten bzw. koppelten bestimmte Hirnareale miteinander. Damit gelang es, einen völlig neuen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß kognitiver Störungen und Veränderungen von Kommunikationsprozessen im Gehirn herzustellen.

Warum bestimmte Hirnregionen bei MS trotz zunehmender Schädigung stärker miteinander kommunizieren als bei Gesunden, bleibt noch Spekulation. Momentan gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Verlust vieler Verbindungen dazu führt, dass die Netzwerke weniger variabel agieren und daher verstärkt untereinander kommunizieren. Wunsch der Wissenschaftler ist, aus den Ergebnissen neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln. Denkbar wäre etwa, die neue Methode als zusätzliches Monitoringsystem zu nutzen, um das Ausmaß der Erkrankung, besonders im frühen Stadium, noch besser einschätzen zu können. Ferner könnten die Ergebnisse helfen, Veränderungen der Hirnarchitektur zukünftig auch bei anderen Krankheiten besser deuten zu können. FH

 

Quelle: Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf

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