zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 31. Oktober 2011

Familientraining gegen chronische Schmerzen

Auch Phantomschmerzen können mit einer Verhaltenstherapie gelindert werden.

Mit einer Verhaltenstherapie rücken Neuropsychologen chronischen Rückenschmerzen zu Leibe. In das Training werden die Angehörigen mit einbezogen.

 

Das Schmerzgedächtnis, das sich bei chronischen Schmerzen gebildet hat, kann mittels eines speziellen Schmerztrainings wieder „gelöscht“ werden. So erwies sich eine „störungsspezifische Verhaltenstherapie“, wie sie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI) zum Beispiel bei chronischen Rückenschmerzen praktiziert wird, in Studien als sehr wirksam. Über diese Therapieform hat der Neuropsychologe Dr. Martin Diers vom ZI aus Anlass des Deutschen Schmerzkongresses in Mannheim berichtet.

Die Patienten absolvieren die Verhaltenstherapie einmal wöchentlich in insgesamt 25 bis 45 Einzelsitzungen. Im Schmerzgedächtnis eingebrannte Strukturen, die zu strukturellen Veränderungen im Gehirn geführt haben und für die Chronifizierung verantwortlich sind, sollen durch das Training beseitigt werden. „Die Patienten sollen schlicht wieder lernen, gesundes Verhalten zu zeigen“, sagte Diers. Dabei werden vor allem aktivierende Maßnahmen gefördert mit dem Ziel, das schmerzbedingte Schonverhalten zu reduzieren.

Auch die Angehörigen werden in das Training einbezogen. Sie lernen, „gesundes“ Verhalten wie mehr Aktivität bei den Patienten zu verstärken und Schmerzverhalten zu ignorieren oder davon abzulenken. Wochenpläne unterstützen die Umsetzung.

Die Medikamenteneinnahme wird schmerzunabhängig auf ein festes Zeitschema und nicht mehr schmerzorientiert umgestellt. Damit soll die psychische Verstärkung der Schmerzen verhindert werden. Eine unterstützende Physiotherapie fördert gleichzeitig den Muskelaufbau.

Ebenso wird die Arbeitsplatzsituation und das Freizeitverhalten im Hinblick auf „aktives und gesundes Verhalten“ im therapeutischen Setting unter die Lupe genommen.

Auch Phantomschmerzen können nach den Erfahrungen der Mannheimer Neuropsychologen mit Verhaltenstherapie gelindert werden. Dieses Phänomen wird Diers zufolge in einem mit europäischen Geldern geförderten Forschungsprojekt derzeit untersucht.

So werde zum Beispiel mittels einer Körperillusion wie einer Gummihand, die bei Armamputierten am Stumpf angebracht wird, und über spezielle elektrische Reize versucht, die gebahnten Veränderungen im Gehirn wieder rückgängig zu machen und den Schmerz dadurch zu verringern. Die bisherigen Ergebnisse seien vielversprechend, sagte Diers. B&K/FH

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben