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Neurologie 11. Oktober 2011

Oft wenig fundierte Belege

Generell ist Vorsicht bei einigen Komplementärmethoden geboten, es gibt aber auch neue Wirksamkeitsbelege.

Chronischer Schmerz ist ein Hauptgrund für Patienten, Hilfe bei alternativ- und komplementärmedizinischen Methoden zu suchen. Für viele dieser Angebote gibt es jedoch keine, widersprüchliche oder sogar negative wissenschaftliche Belege, warnten Experten auf dem Europäischen Schmerzkongress EFIC 2011 in Hamburg. Vorgestellt wurden allerdings auch neue Wirknachweise für Akupunktur, Akupressur und Aromatherapie.

 

Akupunktur kann gegen akuten Schmerz wirken, etwa nach einer Operation, wie eine Zusammenschau zweier Übersichtsarbeiten zeigt. „Das gilt auch für Ohrakupunktur, wobei Patienten manchmal zwar subjektiv keine unmittelbare Schmerzreduktion bemerken, aber belegbar weniger zusätzliche Analgetika benötigen“, berichtete Dr. Winfried Meißner, Jena. „Der Placebo-Effekt, zum Beispiel durch die Anwesenheit des Behandlers oder die Erwartungen der Patienten, spielt dabei sicher auch eine Rolle. Unsere Untersuchungen zeigen aber, dass Akupunktur auch bei Patienten in Narkose im Gehirn ähnliche Effekte erzeugt wie Schmerzmittel. Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine spezifische schmerzlindernde Wirkung durch Akupunktur.“

Ganz neue Forschungshorizonte eröffnet eine Studie, die den Anteil der Placebo-Wirkung in Akupunkturstudien untersuchte. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der Placebo-Wirkung an der Gesamtwirkung der Akupunktur möglicherweise größer ist als der spezifische Effekt. Neuere Studien zeigen auch, dass Placebo-Akupunktur wirksamer ist als Placebo-Tabletten. Dabei stellt sich die Frage, wie eine Placebo-Akupunktur aussieht. In den meisten Studien wurden die Teilnehmer in den Placebo-Kontrollgruppen an Körperstellen gestochen, die keine Akupunktur-Punkte sind. Da aber auch das Stechen an sich physiologische Effekte erzeugt, wurden in neueren Studien als Kontrolle auch sogenannte nicht-penetrierende stumpfe Teleskopnadeln (Placebo-Nadeln) eingesetzt, die das gleiche Körpergefühl wie ein Stich erzeugen.

Untersuchungen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie zeigten nicht nur, dass die tatsächliche Akupunktur im Gehirn eine stärkere Aktivierung oder Deaktivierung der angesprochenen Zentren hervorruft als eine Behandlung mit Placebo-Nadeln, sondern auch, dass dieser Effekt durch eine positive Erwartung moduliert werden kann.

Akupressur bei Nackenschmerz

Eine japanische Forschergruppe präsentierte eine neue Studie, die zeigt, dass sowohl Akupunktur als auch Akupressur chronische Nackenschmerzen signifikant vermindern können. Die Behandlung der Punkte im schmerzhaften Areal hat einen zusätzlichen positiven Einfluss auf das vegetative Nervensystem: Sie senkt die Herzfrequenz und erhöht die Herzratenvariabilität.

Eukalyptus, Lavendel & Co

Bestimmte essentielle aromatische Öle können Schmerz und Entzündungsreaktionen lindern. Koreanische Wissenschaftler präsentierten eine Studie zur Wirkung der Öle von Rosmarin, Majoran (Oregano), Lavendel, Eukalyptus und Basilikum an Mäusen, wobei sich je nach Art der Reizung Eukalyptus oder Lavendel als die stärksten Schmerzstiller herausstellten. Eukalyptus zeigte sogar eine stärkere analgetische Wirkung als eine adäquate Dosis Morphin. Zusätzliches Highlight, so die Wissenschaftler: „Eukalyptusöl wirkte auch dann schmerzstillend, wenn die Mäuse mit Naloxon, einem Mittel, das die Wirkung schmerzstillender Opioide im Körper aufhebt, vorbehandelt wurden – während die Wirkung von Lavendel- und Basilikum-Öl blockiert wurde.“

 

Quelle: VII. Europäischer Schmerz-Kongress, 21.-24. September 2011, Hamburg

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