zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 11. Oktober 2011

Schmerz und Übergewicht

Überflüssige Kilos verschlimmern das Leiden.

Übergewicht und Schmerz hängen zusammen, wie auch neue beim EFIC-Kongress in Hamburg präsentierte Studien zeigen. Eine Schlussfolgerung: Übergewichtige brauchen unter Umständen eine stärkere analgetische Therapie als normalgewichtige Schmerzpatienten.

 

Warum sind übergewichtige Ratten anfälliger für chronische Schmerzzustände wie Rheumatoide Arthritis, Migräne, Beschwerden am Bewegungs- und Stützapparat oder erhöhte Schmerzsensibilität? Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Sharron Dolan, Glasgow, GB, ist dem Mechanismus auf der Spur. Gemästete Ratten und deren schlanke Käfiggenossen wurden verschiedenen Tests unterzogen – erst ohne Entzündungen, dann in Reaktion auf Entzündungsreize.

Höhere Schmerzempfindlichkeit, stärkere Entzündungen

„Wenn den Ratten eine entzündungsfördernde Substanz in die Pfote injiziert worden war, reagierten die übergewichtigen Nager deutlich empfindlicher auf mechanische oder thermische Reize an der entzündeten Pfote und bildeten auch größere Ödeme als magere Tiere“, berichtete Dolan. Diese Ergebnisse seien ein großer Fortschritt, betonte sie. „Die vermehrte Schmerzempfindlichkeit und die periphere Entzündung bei diesen Ratten bestätigt die Hypothese, dass Übergewicht eine chronische, geringgradige Entzündungsstörung ist. Diese ruft einen Zustand hervor, in dem sich Reaktionen auf spätere Entzündungsprovokation potenzieren. Das Ganze könnte darauf hindeuten, dass für Übergewichtige aggressivere schmerzstillende Behandlungsregime angesagt sind“, so Dolan.

Schmerzwahrscheinlichkeit bei Übergewichtigen größer

Die deutliche Wechselbeziehung zwischen gesundheitsschädlichem Übergewicht und erhöhter Schmerzwahrnehmung konnte nicht nur im Tierversuch beobachtet werden. „Übergewicht geht eindeutig mit chronischen Schmerzen bei Menschen einher. Bei gut genährten Personen, deren Body-Mass-Index zwischen 35 und 39,9 liegt, ist die Wahrscheinlichkeit allerdings am größten, dass sie über Schmerzen klagen“, berichtete Dr. Karine Ferreira, Sao Paulo. Die brasilianische Expertin fasste die Ergebnisse einer aktuellen Studie zusammen, für die ihr Team mehr als 24.000 Erwachsene untersucht hatte, um die Beziehung zwischen Schmerz und Übergewicht zu analysieren. Nahezu ein Drittel der Teilnehmer (29,2%) hatte angegeben, in den letzten drei Monaten an Schmerzen gelitten zu haben. Der durchschnittliche BMI betrug 25,3.

Laut Karine Ferreira tendierten Teilnehmer mit Normalgewicht eher als Personen anderer BMI-Kategorien dazu, Kopf- und Nackenschmerzen (48,9%) oder nur Kopfschmerzen (54,1%) zu melden.

Übergewichtige der Klasse I (30,5%) und Klasse III (28,6%) neigten vermehrt zu Schmerzen im Bereich der Füße und Beine. Bei Übergewichtigen der Klasse II war die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie über Schmerzen an verschiedenen Stellen klagten. Es konnte beobachtet werden, dass Übergewichtige der Klasse III unter einem höheren Grad an Schmerz litten als Normalgewichtige, was auch ihr Gehvermögen beeinträchtigte. B&K/FH

 

Quelle: VII. Europäischer Schmerz-Kongress, 21.-24. September 2011, Hamburg

Gewichtsklassifizierung und Schmerzhäufigkeit nach Kategorie
So viele Teilnehmer der verschiedenen BMI-Kategorien spürten innerhalb von drei Monaten Schmerzen:
Untergewicht – BMI unter 18,5 kg/m2 21,8 Prozent der Patienten
Normalgewicht – BMI 18,5 bis 24,9 kg/m2 26,5 Prozent der Patienten
Übergewicht – BMI 25 bis 29,9 kg/m2 30,7 Prozent der Patienten
Übergewicht Klasse I – BMI 30 bis 34,9 kg/m2 36,3 Prozent der Patienten
Übergewicht Klasse II – BMI 35 bis 39,9 kg/m2 49,1 Prozent der Patienten
Übergewicht Klasse III – BMI 40 und mehr kg/m2 28,7 Prozent der Patienten

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben