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Foto: photos.com
Säuglinge, die während einer Impfung gestillt werden, zeigten gegenüber ungestillten in einer Studie wesentlich weniger Schmerzreaktionen.
 
Neurologie 11. Oktober 2011

Neugeborenen Schmerzen ersparen

Muttermilch und Körperkontakt helfen.

Vermeidung und effektive Behandlung von Schmerzen hat sich in den letzten Jahren als eine der wichtigsten Aufgaben der Neonatologie herausgestellt. Neue Studien, die beim Europäischen Schmerz-Kongresses EFIC in Hamburg vorgestellt wurden, belegen die Wirksamkeit von natürlichen Methoden.

 

Neugeborene empfinden Schmerz intensiver als größere Kinder oder Erwachsene, sind aber bereits in den ersten Lebenstagen häufig Schmerzimpulsen ausgesetzt – von Blähungen über Impfungen bis hin zu den vielen Untersuchungen, die vor allem Frühgeborene über sich ergehen lassen müssen. Schmerzvermeidung hat sich daher zu einem der Hauptanliegen der Neonatologie entwickelt, wobei medikamentöse Behandlungen jedoch nur sehr begrenzt möglich sind. Studien zeigen, dass einfache Maßnahmen wie Stillen, Schnuller, Massage oder Körperkontakt sich als erstaunlich schmerzlindernd herausstellen.

Umlegen, massieren und trösten

Schmerz bei Neugeborenen ist häufig. Einer portugiesischen Untersuchung zufolge haben fast alle (94,8 %) Neugeborenen, die in Intensivstationen aufgenommen werden mussten, häufig Schmerzen, die allerdings in rund drei Viertel (72,3 %) der Fälle nur leicht ausfallen. In 88,7 Prozent der Fälle kommt das Betreuungspersonal in seiner Behandlung mit nicht-pharmakologischen Methoden wie Umlegen, Massagen und Techniken des Tröstens aus. „Es sollten jedoch auch weitere sanfte Therapien wie Stillen durch die Mutter oder Zucker in Form von Glukose oder Saccharose gefördert werden“, empfahl Dr. Luis Batalha, Coimbra, Portugal.

Muttermilch und Traubenzucker

Diese waren Gegenstand weiterer Studien. Eine Forschergruppe der Universität Teheran erbrachte den Nachweis, dass Säuglinge, die während einer Diphtherie-, Keuchhusten- und Tetanus-(DPT-)Impfung von ihren Müttern gestillt werden, wesentlich schwächere Schmerzreaktionen zeigen als andere, die während der schmerzhaften intramuskulären Injektion auf einem Untersuchungstisch liegen müssen.

„Känguru“-Kontakt

Die häufigen Blutabnahmen bei „Frühchen“ auf der Intensivstation werden leichter ertragen, wenn der Säugling währenddessen nicht nur mit Traubenzucker und einem Schnuller beruhigt, sondern zugleich auch mit seiner Mutter Körperkontakt hat (Känguru-Methode). Eine portugiesisch-kanadische Forschergruppe stellte fest, dass die Babys dann deutlich seltener Schmerzreaktionen zeigten. „Sie schliefen während der Intervention auch häufiger durch und kehrten in einem Gestationsalter von mindestens 32 Wochen im Durchschnitt auch rascher zu einer normalen Herzfrequenz zurück“, so Dr. Ananda Maria Fernandes, Coimbra, Portugal. B&K/FH

 

Quelle: VII. Europäischer Schmerz-Kongress, 21.-24. September 2011, Hamburg

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