zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 8. Oktober 2011

Krankheit des Vergessens

Alzheimer ist mit etwa 70 Prozent die häufigste Ursache von Demenz. In Österreich leiden derzeit etwa 110.000 Menschen an dieser Erkrankung, in über 60 Prozent ist sie die Ursache für eine Pflegeheimaufnahme – Tendenz stark steigend.

Der soeben veröffentlichte Welt-Alzheimerbericht 2011 zeigt deutlich: Die Wahrscheinlichkeit, eine Alzheimer-Krankheit zu erleiden, ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Obwohl eine Heilung noch nicht möglich ist, stehen wirksame Therapien zur Verfügung, vorausgesetzt, diese werden frühzeitig eingesetzt.

 

„Wenn es uns gelingt, durch Aufklärung und Information den Betroffenen früher eine Diagnose und in der Folge eine entsprechende Behandlung/Betreuung zu ermöglichen, sei es durch Medikamente, die gezielte Schulung und Information von Angehörigen oder auch die Erweiterung und den Ausbau eines Betreuungs- und Entlastungsprogrammes für Betroffene und ihre Angehörigen, so kann viel Leid verhindert und können Kosten gespart werden“, betonte Antonia Croy, Präsidentin der größten Österreichischen Alzheimer-Selbsthilfegruppe Alzheimer Angehörige Austria, im Rahmen einer Pressekonfernz anlässlich des Weltalzheimertages.

Der Welt-Alzheimerbericht 2011 bestätigt diese Forderung. Bis zu drei Viertel der weltweit geschätzten 36 Millionen Menschen mit Demenz sind nicht diagnostiziert und erhalten keine Therapie, Informationen oder Pflege. Selbst in Ländern mit hohem Einkommen werden nur 20 bis 50 Prozent der Demenzfälle in der Primärversorgung erkannt.

Diagnosekriterien verändern

Prof. Dr. Achim Schneeberger, Leiter der Abteilung für klinische Forschung und Entwicklung der AFFiRiS AG, streicht die Folgen davon heraus: „Fehlen uns Methoden, Alzheimer früh und sicher zu erkennen, können auch keine neuen, vor allem kausal wirksamen Medikamente entwickelt werden. Die Phase-I-Studienergebnisse des Alzheimer Impfstoffes AFFITOP® AD02 unterstützen eine möglichst frühe Intervention. Das Konzept, schon bei geringer Schädigung der Nervenzellen einzugreifen, ist ein zentrales Prinzip für die weitere Entwicklung von AD02 in der Phase II. AFFiRiS gelang es, die geeignete Patienten über neue, auf Biomarkern basierenden Kriterien zu definieren. In der Praxis war und ist es nicht einfach, neue Diagnosekriterien zu verwenden.“

Solche Veränderungen erfordern jedoch neben einer soliden Datenlage ein gemeinsames Vorgehen aller an der Betreuung von Alzheimer-Patienten beteiligten Berufsgruppen. Daher haben sich die Alzheimer Angehörigen Austria und die AFFiRiS zur Durchführung eines gemeinsamen Forschungsprojektes entschieden, deren Ziel es ist, die Position der österreichischen Gesellschaft zum Thema der Frühdiagnose zu erfassen.

Auf einen weiteren Aspekt des derzeitigen diagnostischen Dilemmas verwies Dr. Andreas Winkler, ärztlicher Leiter der Klinik Pirawarth. „Da die Mehrzahl der Menschen mit Demenz erst spät im Krankheitsverlauf diagnostiziert wird, entsteht eine signifikante Behandlungslücke. Dies begrenzt den Zugang zu wertvollen Informationen, Behandlung und Pflege und verstärkt die Probleme für die Patienten, Familien, Pfleger, Gemeinden und Gesundheitssysteme. Medikamente sowie psychologische Therapien, im Frühstadium eingesetzt, können die Wahrnehmung, Unabhängigkeit und somit die Lebensqualität von Patienten und deren Angehörigen verbessern. Die Unterstützung und Schulung von Pflegern kann die Stimmung verbessern, die Belastung verringern und die Institutionalisierung von diesen Patienten deutlich verzögern.“ Im Kampf gegen Alzheimer sei es heute mehr denn je entscheidend, dass jeder Einzelne mehr Verantwortung für dieses Problem übernehme.

 

Quelle: Pressekonferenz der Alzheimer Angehörigen Austria und der AFFiRiS AG anlässlich des Weltalzheimertages, 19. September 2011, Wien.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben