Subjektive Gedächtnisstörungen korrelieren mit Beeinträchtigungen im Hippocampus. Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Ursache der Demenz. Entscheidend für zukünftige Therapien ist die Früherkennung. Forscher der Universitätskliniken Bonn und Berlin sowie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen sind nun einen wichtigen Schritt vorangekommen: Sie wiesen Beeinträchtigungen im Hippocampus bereits dann nach, wenn in Standardtests noch keine Verschlechterung des Gedächtnisses feststellbar war. Bisher: Kernspintomografie"/>
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Neurologie 24. August 2011

Fortschritt bei Demenz- Früherkennung

Subjektive Gedächtnisstörungen korrelieren mit Beeinträchtigungen im Hippocampus.

Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Ursache der Demenz. Entscheidend für zukünftige Therapien ist die Früherkennung. Forscher der Universitätskliniken Bonn und Berlin sowie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen sind nun einen wichtigen Schritt vorangekommen: Sie wiesen Beeinträchtigungen im Hippocampus bereits dann nach, wenn in Standardtests noch keine Verschlechterung des Gedächtnisses feststellbar war.

Bisher: Kernspintomografie

Bei Alzheimer-Patienten mit Gedächtniseinbußen lässt sich die Krankheit relativ einfach nachweisen. „Anhand einer Kernspintomografie ist etwa festzustellen, dass für die Merkfähigkeit wichtige Strukturen im Gehirn verkleinert sind", so Prof. Dr. Frank Jessen von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bonner Universitätsklinikums sowie vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. Auch im Liquor sind Veränderungen feststellbar.

Subjekiv wahrnehmbar, objektiv nicht messbar

Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser lässt sich die Progression und der geistige Verfall mit Medikamenten verlangsamen. Daher suchen Wissenschaftler schon seit längerem nach Möglichkeiten, diese Erkrankung in einem bereits sehr frühen Stadium nachzuweisen, in dem Betroffene zwar subjektiv Beeinträchtigungen wahrnehmen, in objektiven medizinischen Tests jedoch noch keine Verschlechterung des Gedächtnisses feststellbar ist.

Durchblutung des Hippocampus

In einer jetzt in den Archives of General Psychiatry publizierten Arbeit (Evidence for neuronal compensation during episodic memory in subjective memory impairment. Archives of General Psychiatry, 68 (8), S. 1-8) berichten Wissenschaftler um Jessen und Doz. Dr. Susanne Erk sowie Prof. Dr. Dr. Henrik Walter über entscheidende Fortschritte in der Früherkennung. Insgesamt wurden 19 Probanden mit leichter Demenz und 20 Kontrollpersonen untersucht. Mittels funktioneller Kernspintomografie ließen sich bei Personen mit subjektiv wahrgenommenen Gedächtnisstörungen bei Tests Beeinträchtigungen im Bereich des Hippocampus feststellen.

Dabei bekamen die Probanden Fotos vorgelegt, um sich jeweils Kombinationen von Gesichtern und Berufen einzuprägen. Bei der späteren Abfrage zeigte sich, dass der Hippocampus bei Menschen in einem frühen Alzheimer-Stadium deutlich geringer durchblutet war als bei den Kontrollpersonen.

Frontalhirn gleicht Defizite aus

Der Hippocampus, zuständig für die Gedächtnisbildung, ist bei der Alzheimer-Erkrankung zuerst betroffen. Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen zeigten während einer Gedächtnisaufgabe neben einer verminderten Durchblutung dieser Struktur gleichzeitig eine stärkere Aktivität im rechten Frontalhirn.

„Diese Mehraktivierung des Frontalhirns hat vermutlich kompensatorischen Charakter", betont Walter. Die geringere Leistungsfähigkeit des Hippocampus wird also wohl durch das Frontalhirn ausgeglichen. „Das kann erklären, warum die Leistung in den Gedächtnistests dieser Gruppe nicht schlechter war als die einer altersgleichen Kontrollgruppe ohne subjektive Gedächtnisstörungen", so Walter.

Dem Ziel näher

Die Kompensation durch andere Hirnbereiche ist bei Alzheimer-Patienten im Frühstadium also der Grund, warum mit medizinischen Merktests noch keine Einschränkungen der Gedächtnisfähigkeit feststellbar sind. Jessen: „Zumindest sind wir unserem Ziel nähergekommen, die Frühdiagnostik subjektiver Gedächtnisstörungen durch Hirnuntersuchungen mittels Kernspintomografie zu unterstützen." Individuelle Tests seien jedoch noch nicht möglich, weil mehr Patientengruppen untersucht werden müssten, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen.

Universität Bonn, Ärzte Woche 34/2011

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