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Foto: fotodienst.at /Anna Rauchenberger
Prof. Dr. Günther Bernatzky Fakultät der Universität Salzburg im Fachbereich Organismische Biologie
 
Neurologie 15. Juni 2011

"Gemeinsam stark sein"

Der neue Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) im Interview.

"Wir wollen, dass die Menschen bei Schmerzen früher zum Arzt gehen." So definiert der neue Gesellschaftspräsident eines seiner wichtigsten Ziele.

Der Appell an die Politik, endlich zu handeln, um präventive Maßnahmen gegen Schmerz in der Gesundheitspolitik zu verankern, war bei der Jahrestagung laut zu hören. Was genau sind die Forderungen der Österreichischen Schmerzgesellschaft?

Bernatzky: Eine kompetente Schmerztherapie kann nicht nur vermeidbares Leiden verkürzen, sondern auch der gefürchteten Chronifizierung vorbeugen. Diese ist nicht nur für Patienten belastend, sondern auch ein gewaltiges gesundheitsökonomisches Problem. Das Patienten-Empowerment soll dazu beitragen, die Kosten für chronische Schmerztherapie zu reduzieren. Das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Schmerz ein Symptom ist, das eine mögliche Erkrankung im Körper anzeigt, muss gestärkt werden.

Die ÖSG tritt außerdem mit Nachdruck dafür ein, dass Medikamente, deren Wirkung im Ausland bereits ausführlich und mit positivem Ergebnis getestet wurde, auch in Österreich zur Verfügung stehen.

Wie wollen Sie erreichen, dass in den nächsten zwei Jahren aus den Forderungen Taten werden?

Bernatzky: Wir gehen hier nach einem 3-Säulen-Modell vor: Erstens regelmäßige Kontakte zu den betroffenen Gruppen, also Betroffenen und Selbsthilfeorganisationen, suchen. Zweitens den Kontakt zu den Krankenkassen und dem Hauptverband stärken und drittens mit anderen Fachgesellschaften kooperieren, die ebenso wie die ÖSG Interesse an einer Verbesserung der Schmerztherapie zeigen.

Wie wollen Sie diese Ziele erreichen?

Bernatzky: Unter anderem durch konsequente Information von Ärzten und anderen in der Schmerztherapie Tätigen wie Pflegepersonen, Psychologen, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Gesundheits- und Krankenpflegern. Außerdem über Schmerzpatienten und die breite Öffentlichkeit mit Zielgruppen-gerechten Evidenz-basierten Aufklärungsunterlagen unter Einbeziehung moderner Kommunikationsmittel. Dafür brauchen wir eine gute Kooperation auch mit den Gesundheitsbehörden, den Medien und der Pharma- und Medizintechnik-Industrie.

Sie sind auch Autor des Springer Verlages. Unter anderem erschien der Titel "Nichtmedikamentöse Schmerztherapie: Komplementäre Methoden in der Praxis". Wann sollten Allgemeinmediziner an eine nichtmedikamentöse Therapie denken?

Bernatzky: Als Naturwissenschaftler möchte ich das nur grundsätzlich beantworten: Die nichtmedikamentöse Therapie soll beginnen, sobald die Diagnose gestellt ist und der Arzt das Potenzial für die Compliance des Patienten für eine geeignete nichtmedikamentöse Methode wahrgenommen hat. Zu klären ist, ob diese Methode auch unerwünschte Wirkungen haben kann. Eine Interaktion mit den pharmakologischen Methoden ist im Sinne eines additiven bzw. Synergismus-Effektes erwünscht.

Der Stellenwert der Musik in der Schmerztherapie ist ein wesentliches Thema Ihrer Arbeit. Sind Sie selbst auch als Musiker aktiv?

Bernatzky: Leider nein. Ich höre allerdings mit großer Freude verschiedenen Musikgenres in Life-Konzerten und aus technisch guten Quellen zu.

Wird die komplementäre Schmerzmedizin durch Ihre Präsidentschaft an Stellenwert gewinnen?

Bernatzky: Der Stellenwert der komplementären Schmerzmedizin hat bereits vielfach einen hohen Stellenwert. Mein Ziel als aus der Naturwissenschaft kommender Schmerzforscher ist es, den Kreis derer, die sie anwenden wollen, noch zu vergrößern.

Wo wollen Sie in zwei Jahren stehen?

Bernatzky: Mit einem guten Gefühl, dass meine Zeit als Präsident der ÖSG einem möglichst großen Kreis der Bevölkerung zu Gute gekommen ist.

Das Gespräch führte Andrea Niemann

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