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Neurologie 15. Juni 2011

Kopfweh-Orakel

Eine neue Studie zeigt, dass Migräne nach der Menopause vorhersagbar ist.

Mehr als 3.200 Neurologie-Expertinnen und -Experten aus aller Welt diskutierten in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon beim 21. Jahreskongress der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) vom 28. bis 31. Mai 2011 aktuelle Entwicklungen aus ihrem Fachgebiet. So wurde etwa folgende Schlussfolgerung vorgestellt: Wenn bei Frauen Kopfschmerzen und Menstruation eng aneinander gekoppelt sind, scheint das ein Indikator dafür zu sein, dass ihre Migränebeschwerden mit der Menopause abnehmen.

 

Eine italienische Forschungsgruppe aus Turin untersuchte, warum manche Frauen, die während ihrer fruchtbaren Jahre unter Migräne leiden, nach der Menopause weniger Kopfschmerzen haben, andere hingegen mehr. Zudem ging sie der Frage nach, ob das Auftreten von Migräne-Attacken nach der Menopause vorhersagbar ist.

Individuell therapieren

Die Studienergebnisse liefern jetzt nützliche Hinweise für die Behandlung von Patientinnen mit Migräne, die in die Menopause kommen. „Wir können künftig maßgeschneiderte Therapieprotokolle entwickeln, je nachdem, welche postmenopausale Prognose eine Frau aufgrund ihrer Risikofaktoren hat“, freut sich die Hauptautorin der Studie, Dr. Cecilia Condello, Universität Turin. „Bei den einen muss eine aggressivere Behandlungsform gewählt werden, bei anderen reicht es abzuwarten, weil davon auszugehen ist, dass sich der Zustand einer Frau nach der Menopause ohnehin spontan verbessert.“

Suche nach Prädiktoren

Schwankungen im Hormonhaushalt können massive Kopfschmerzen verursachen – diese qualvolle Erfahrung machen viele Frauen während ihrer furchtbaren Jahre. Üblicherweise nimmt die Prävalenz für Migräne mit höherem Alter ab, aber mit dem Einsetzen der Menopause kann die Migräne abnehmen, zunehmen oder aber unverändert bleiben. Die Gründe dafür waren bislang noch unklar.

Forscher der italienischen Universitätskliniken Turin und Novara untersuchten nun 367 Patientinnen, die bereits in der Menopause sind, davon 291 aus biologischen Gründen und 76 aufgrund einer Operation. Sie alle leiden unter Migräne gemäß der internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-II. Erforscht wurde, ob und warum sich Merkmale ihrer Migräne nach der Menopause veränderten. Darüber hinaus analysierte die Forschungsgruppe, ob es für Migräneattacken nach der Menopause Prädiktoren gab, etwa eine Verbindung zwischen Menstruation und Migräne, die Zahl der Schwangerschaften, die Einnahme von bestimmten Hormonpräparaten oder ob auch die Mütter der Patientinnen unter Migräne litten.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung erwiesen sich als überraschend: Nach der Menopause nahmen die Migränebeschwerden bei 16,5 Prozent der Frauen ab, die aus biologischen Gründen in den Wechsel gekommen sind, sowie bei 14,3 Prozent der Studienteilnehmerinnen, die aufgrund einer Operation keinen Zyklus mehr haben.

Zwischen den beiden untersuchten Gruppen war kein wesentlicher Unterschied feststellbar. Bei 44 von 48 Frauen (91,7 Prozent), deren Kopfschmerzen nach Einsetzen der Menopause besser geworden waren, hingen die Migräne-Attacken vom Zyklus ab. Nur 174 (71,6 Prozent) der Patientinnen, deren Migräne sich mit der Menopause verschlechterte oder gleich blieb, wiesen diese Verbindung auf.

 

Quelle: ENS Abstract O234 Migrain outcome in postmenopausal women: are there predictive factors?

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