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Neurologie 15. Juni 2011

Gestörter Schlaf schadet der Gesundheit

Aktuelle Studien zur Therapie des Restless-Legs-Syndroms bei schwangeren Frauen und zu ungünstigen Effekten auf den Krankheitsverlauf nach Schlaganfall.

Das Restless-Legs-Syndrom betrifft fünf bis zehn Prozent der Allgemeinbevölkerung, aber zehn bis 20 Prozent der schwangeren Frauen. Eine auf der Tagung der Europäischen Neurologengesellschaft präsentierte Studie hat gezeigt, dass die Substitution von Eisen durch Infusionen von Ferric Carboxymaltose eine potenziell wirksame Therapie ist. Daten aus der experimentellen Forschung liefern Hinweise, dass Schlafstörungen die Gesundung nach einem ischämischen Schlaganfall negativ beeinflussen.

 

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) kommt bei schwangeren Frauen etwa doppelt so häufig vor wie in der Bevölkerung. Prof. Dr. Claudio Bassetti (Lugano, Schweiz) berichtete von ersten Ergebnissen einer noch laufenden Studie, die zeigen, dass Infusionen mit Ferric Carboxymaltose die Symptome von RLS bei schwangeren Frauen mit Eisenmangelanämie bereits in der ersten auf die Behandlung folgenden Nacht deutlich reduzieren.

Eisen bringt Schlaf zurück

Die Symptome des RLS sind Gefühle von Prickeln, Spannung, Wärme oder Schmerz in den Beinen, die sich in der Nacht verstärken. Daraus entsteht das zwingende Bedürfnis, die betroffenen Muskeln anzuspannen oder zu dehnen. Häufige Begleiterscheinungen sind periodische Beinbewegungen während des Schlafs und sogenannte „Arousals”, das sind wiederholte, kurze Schlafunterbrechungen.

„Einige Studien legen nahe, dass die Häufigkeit von RLS während der Schwangerschaft mit Eisenmangel zu tun haben könnte”, so Bassetti. „In unserer noch laufenden Studie geben wir schwangeren Frauen, die sowohl an Eisenmangel als auch an RLS leiden, Ferric-Corboxymaltose-Infusionen, ein Medikament, das in der Schweiz zur Behandlung von Eisenmangelanämie bei Schwangeren zugelassen ist. 90 Prozent der bisher untersuchten Frauen berichteten einen merklichen Rückgang der RLS-Symptome schon ab der ersten Nacht nach der Behandlung. Vier Wochen nach der Therapie hatte sich der RLS-Score von 25 ± 5 auf 8 ± 5 reduziert. Wir erwarten nicht, dass unsere Endauswertung von diesen vorläufigen Resultaten wesentlich abweichen wird und folgern daraus, dass schwangere Frauen mit RLS von intravenösen Eiseninfusionen profitieren können.”

Bedingungen für Neuroplastizität

Die klinische Erfahrung legt nahe, dass Schlafstörungen den Krankheitsverlauf nach einem Gehirnschlag negativ beeinflussen können. Nachweise dafür fehlten aber. Bassetti: „In einer neuen Studie konnten wir im Ratten-Modell erstmals experimentell nachweisen, dass Schlafentzug die Erholung des Gehirns signifikant beeinträchtigt. Nachdem wir in einer Population von Ratten einen ischämischen Schlaganfall ausgelöst hatten, entzogen wir einem Teil unserer Versuchstiere an drei aufeinanderfolgenden Tagen 80 Prozent ihres während der zwölfstündigen hellen Phase des Tags üblichen Schlafs, während wir der anderen Gruppe erlaubten, sich nach Bedarf auszuruhen. Wir haben dabei eine Reihe von Parametern erhoben wie die axonale Sprossung, die Neurogenese und die Angiogenese. Bereits am Tag 14 sahen wir bedeutende Unterschiede im Heilungsverlauf beider Gruppen. Am Tag 35 nach dem Schlaganfall waren in der Schlafentzugsgruppe nur etwa 50 Prozent der Gehirnschäden behoben, während die Erholung in der Gruppe mit ausreichend Schlaf fast vollständig war. Es sind noch weitere Studien nötig, um auch die komplementäre Hypothese zu überprüfen, dass schlaffördernde Ansätze den Heilungsprozess nach Schlaganfall positiv beeinflussen und die Neuroplastizität verbessern können.”

B&K/IS

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