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Foto: Diener/DGN
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Leiter der Neurologischen Universitätsklinik Duisburg-Essen
 
Neurologie 31. Mai 2011

Strümpfe nach Schlaganfall?

CLOTS-Studien ergeben keinen Nutzen des Tragens von Strümpfen zur Thromboseprophylaxe.

Britische Neurologen gingen der Frage nach, ob tiefe Beinvenenthrombosen bei Patienten mit Paresen nach Schlaganfall seltener auftreten, wenn sie lange Kompressionsstrümpfe tragen oder ob sie ebensogut kurze verwenden können.

 

Bei Patienten, die nach einem Schlaganfall immobilisiert sind oder bei denen eine ausgeprägte Parese im Bein besteht, ist Thromboseprophylaxe wichtig. Der Einsatz von Heparin ist ein wirksames Standbein in der Vorbeugung von tiefen Beinvenenthrombosen, ein weiteres ist die Verwendung von Kompressionsstrümpfen, was von vielen Leitlinien bei Patienten mit Schlaganfall empfohlen wird. Die britischen CLOTS-Studien (Clots in Legs Or sTockings after Stroke) bewerten den Stellenwert der Strümpfe. Die CLOTS-I-Studie (Dennis M et al.: Lancet 2009; 373: 1958–65) kam zum Schluss, dass die Häufigkeit von tiefen Beinvenenthrombosen durch die Kompressionsstrümpfe nicht reduziert werden konnte. In der nun veröffentlichten CLOTS-II-Studie wurde verglichen, ob es von Bedeutung ist, ob die Patienten lange oder kurze Thrombosestrümpfe tragen.

An 112 Krankenhäusern in neun Ländern wurden insgesamt 3.144 Patienten, die einen ischämischen Insult oder eine zerebrale Blutung innerhalb der letzten Woche erlitten hatten und immobil waren, in die Untersuchung eingeschlossen. Patienten mit Subarachnoidalblutungen, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und ausgeprägter diabetischer Polyneuropathie wurden aus dem Sample ausgeschlossen.

Der primäre Endpunkt war die Häufigkeit tiefer Beinvenenthrombosen, identifiziert mit Duplexvenografie, zwischen dem siebten und zehnten Tag und bei einer Subgruppe nach 25 bis 30 Tagen. Nach symptomatischen oder asymptomatischen tiefen Beinvenenthrombosen wurde nicht unterschieden.

1.552 Patienten erhielten lange Thrombosestrümpfe bis zur Leiste und 1.562 kurze bis zum Knie. Das mittlere Alter betrug 75 Jahre. Bei 81 Prozent der Patienten lag ein ischämischer Insult vor. Fünf Prozent der Patienten hatten früher bereits eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie erlitten. Tiefe Beinvenenthrombosen traten bei 98 Patienten (6,3 Prozent) mit langen Thrombosestrümpfen auf und bei 138 Patienten (8,8 Prozent) mit kurzen Strümpfen. Die absolute Differenz betrug 2,5 Prozent. Der Unterschied war signifikant (p = 0,008). Die Odds Ratio zugunsten der langen Strümpfe betrug 31 Prozent.

In der Zeitschrift Info Neurologie & Psychiatrie (2011; 13 [3]: 24) kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Leiter der Neurologischen Universitätsklinik Duisburg-Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: „Fasst man die gesamte Evidenz von CLOTS-I und CLOTS-II zusammen, gibt es im Moment bei Patienten, die nach einem Schlaganfall immobilisiert sind, keinen Grund, Thrombosestrümpfe zu benutzen. Ausnahmen sind Patienten, bei denen aus Gründen der Verträglichkeit oder aufgrund anderer Kontraindikationen Heparin oder niedermolekulare Heparine nicht verwendet werden können. In diesen Fällen müssen dann allerdings lange Thrombosestrümpfe verwendet werden, da diese tiefe Beinvenenthrombosen deutlich besser verhindern als Strümpfe, die nur bis zum Knie reichen.“

 

The CLOTS (Clots in Legs Or sTockings after Stroke) Trial Collaboration: Ann Intern Med 2010; 153: 553–62

 

Quelle: www.springermedizin.de

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