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Neurologie 25. Mai 2011

Touchscreen-PC erleichtert Kommunikation und Therapie

In Dresden werden MS-Patienten mithilfe neuer Computertechnik aktiv in die Behandlung eingebunden.

Ein Dokumentations- und Patientenmanagementsystem, das in einer dreijährigen Projektphase am Zentrum für Multiple Sklerose des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden entwickelt wurde, hat das Potenzial, auch Betroffene in entlegeneren Gegenden zu unterstützen.

 

Am Multiple-Sklerose-Zentrum der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden arbeiten Ärzte und Wissenschaftler an der Entwicklung eines speziell auf diese Erkrankung zugeschnittenen Patientenmanagementsystems. Das Multiple-Sklerose-Dokumentationssystem, kurz: MSDS 3D, dient einerseits dazu, Ärzte und Pflegekräfte bei der komplexen Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) zu unterstützen – beispielsweise bei der Infusionstherapie –, indem es wichtige Patientendaten abfragt, die einzelnen Behandlungsschritte anzeigt und deren Verlauf dokumentiert. Andererseits nutzen die Forscher die neuen Medien für einen konsequenten Informationsaustausch mit den Patienten. In Zukunft könnte das System somit dazu beitragen, MS-Kranken aus medizinisch unterversorgten Regionen Wege zu ersparen und sie dennoch adäquat fachärztlich versorgen zu können.

Informationsaustausch

Der Einsatz des neuen Patientenmanagementsystems MSDS 3D erleichtert nicht nur den Arbeitsalltag des medizinischen Personals erheblich – es ist für die Patienten unmittelbar erfahrbar: Statt im Wartezimmer oder während einer Infusionsbehandlung in Illustrierten zu blättern, können sie selbständig an Touchscreen-PCs wichtige Informationen über ihre Erkrankung eingeben, die vom medizinischen Personal ausgewertet werden können. Neben Fragebögen zu krankheitsrelevanten Beschwerden und zur Lebensqualität enthält das Programm unter anderem ein Quiz, mit dem sich das Patientenwissen zur medikamentösen Therapie prüfen lässt. Die Eingaben liefern dem Arzt unter anderem Hinweise für das persönliche Gespräch mit den Patienten und daran anknüpfende Therapieentscheidungen. Zudem ermöglicht das neue System einen kompletten Überblick darüber, welche Therapieschritte anstehen und welche bereits abgeschlossen sind.

Register und Arztbriefe erstellen

Alle mit dem System erfassten Daten lassen sich ohne zusätzlichen Aufwand in pseudonymisierter Form an zentrale medizinische Register übermitteln. Auch bietet die Software Formulierungshilfen für anstehende Arztbriefe an. Das neue Patientenmanagementsystem für Touchscreen-Computer und die Auswertungssoftware entstanden in einer dreijährigen Projektphase am Dresdner MS-Zentrum in Kooperation mit verschiedenen Projektpartnern. In Pilotstudien mit 15 niedergelassenen Praxen und neurologischen Universitätskliniken wurde das System erprobt: „Das Patientenmanagement der Zukunft ist für 200 unserer insgesamt 500 Patienten bereits Realität“, sagt der Initiator des Systems und Leiter des MS-Zentrums, PD Dr. Tjalf Ziemssen. In der sich jetzt anschließenden Projektphase soll nun MSDS 3D deutschlandweit zum Einsatz kommen.

In Zukunft via Smartphone

„Insbesondere bei innovativen Therapien erhoffen wir uns von dem System eine optimale Sicherheit für unsere Patienten“, sagt Dr. Kersten Guthke. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie am Städtischen Klinikum Görlitz erwartet zudem eine höhere Patientenzufriedenheit. Das am Dresdner Uniklinikum entwickelte Patientenmanagementsystem soll noch in diesem Jahr in Görlitz zum Einsatz kommen.

In Zukunft sollen bestimmte Funktionen des Managementsystems von den Patienten verstärkt auch vom heimischen PC oder ihrem Smartphone aus nutzbar sein. Durch die mobile Applikation kann der Patient seinen Arzt jederzeit über seinen Krankheitsverlauf informieren, einen Termin vereinbaren oder vom medizinischen Personal Ratschläge und Aufgaben erhalten. „Unser System könnte in Zukunft gerade in Regionen mit einer geringen Ärztedichte dazu beitragen, eine adäquate medizinische Versorgung von MS-Patienten sicherzustellen“, sagt PD Dr. Ziemssen.

 

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

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