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Neurologie 4. Mai 2011

Freiheit der Schmerzmittelwahl?

Trotz nachgewiesener Wirksamkeit und geprüfter Unbedenklichkeit keine Rückerstattung.

In den letzten zwei Jahren sind mehrere neue Analgetika in Österreich zugelassen worden, die jedoch trotz nachgewiesener Wirksamkeit keine Berücksichtigung im Rückerstattungskodex gefunden haben, kritisierte Prof. Dr. Wilfried Ilias, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Wien diesen unbefriedigenden Umstand.

 

Auch zuvor bis zur Marktreife entwickelte Medikamente dieser Art, wieeine Kombination aus Tramadol und Parazetamol sowie eine 24 Stunden- Formulierung eines Opioids mit einer absolut zuverlässigen und gleichmäßigen Medikamentenfreisetzung durch eine lasergebohrte Hartkapsel, haben – ohne rational nachvollziehbare Begründungen – keinen Eingang in den Rückerstattungskodex erlangt und stehen österreichischen Schmerzpatienten nur über den Umweg der Selbstfinanzierung zur Verfügung.

„Alles-oder-Nichts-Gesetz“

Es gibt nach Meinung von Illias bei den geltenden Rückerstattungsregeln nur Das „Alles-oder-Nichts-Gesetz“. Das heißt, Medikamente, welche im Rückerstattungskodex aufscheinen, werden voll berücksichtigt und solche, welche zwar in Österreich ob ihrer Wirksamkeit einerseits und ob ihrer geprüften Unbedenklichkeit andererseits als Arzneimittel zugelassen sind, werden aufgrund eines anderen Regulativs einfach nicht bezahlt.

„Dies ist deshalb nicht verständlich, weil jene Patienten, bei welchen eben diese Medikamente die ideale Behandlung darstellen, dieser Therapie nur zugeführt werden können, wenn sie diese voll aus eigener Tasche bezahlen“, so der Schmerzexperte.

Ein Negativbeispiel für die Zwei-Klassen-Medizin

Im Hinblick auf die oft zitierte Gleichberechtigung wäre es nachvollziehbar, wenn diese Medikamente zumindest zum Teil, und zwar in jenem Ausmaß, die einer als durchschnittlich adäquaten Therapie entspricht, abgegolten würden. Eben dies ist aber nicht der Fall. Was mit dem unverständlichen Hintergrund der Vermeidung einer Zwei-Klassen-Medizin argumentiert wird, obwohl man hier eigentlich das Negativbeispiel einer Zwei-Klassen-Medizin vorgibt.

„Wie hier im Bereich der Schmerztherapie können derartige Beispiele auch für andere Krankheitsbilder herangezogen werden. Das Problem, das sich daraus ergibt, ist, dass neu erworbenes Wissen über moderne Therapieverfahren und neue Medikamente aus bürokratischen Gründen nicht umgesetzt werden kann, womit sich die Frage ergibt, wozu man Fortbildung fordert, wenn die erworbenen Kenntnisse nicht praktisch umgesetzt werden können“, betonte Illias.

Es wäre doch wesentlich einfacher, für die jeweils bestehende Erkrankung die durchschnittlich griffigste Therapie vorzugeben und es den Ärzten und Patienten freizustellen, selbst zu entscheiden, ob sie zusätzliche Kosten für eine individuell bessere Therapie selbst tragen wollen.

Solche Rückerstattungsmodelle existieren bereits in vielen Ländern Europas und haben zweifellos den Vorteil, dass moderne Methoden und Medikamente eingesetzt werden können, ohne, dass in Grenzfällen chefärztliche Ablehnungen zur Kenntnis genommen werden müssen.

Obwohl diese Situation bei vielen Krankheitsbildern zu tragen kommt, scheint es gerade bei Patienten welche an Schmerzzuständen leiden, besonders unverständlich, wenn derartige Therapiebeschränkungen eine adäquate Behandlung verhindern.

 

Quelle: Pressekonferenz „Abwege in der Schmerzmedizin“ anlässlich des 5. Wiener Schmerztages, 15. 4. 2011

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