zur Navigation zum Inhalt
Foto: http://idw
Veränderungen im Corpus callosum waren bei Frauen ausgeprägter (rot).
 
Neurologie 26. April 2011

Gewicht und Gehirn

Geschlechtsabhängige Korrelation zwischen BMI und Hirnveränderung.

Wer stark übergewichtig ist, weist ein geringeres Gehirnvolumen und eine verringerte Gewebedichte in der grauen Substanz auf. Über das Ausmaß entscheidet auch das Geschlecht.

 

Forscher des Max-Planck-Instituts MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI) in Leipzig und des University College in London untersuchten Gehirne von normalgewichtigen bis stark übergewichtigen Frauen und Männern mithilfe diffusionsgewichteter Magnetresonanztomographie (MRT). Mit dieser Methode lassen sich Bewegungen der Wassermoleküle im Gehirn erfassen, die von Barrieren im Gewebe – wie etwa den Nervenfasern – beeinflusst werden. „Wenn sich die Beweglichkeit der Wassermoleküle im Hirngewebe auf bestimmte Weise verändert, kann das darauf hinweisen, dass Axone oder Myelin geschädigt sind“, sagt der Erstautor der Studie, PD Dr. Karsten Müller (MPI, Leipzig). Genau diese Veränderungen traten im Corpus callosum auf.

Die Beweglichkeit des Wassers war bei zunehmendem BMI sowohl entlang der Nervenfasern als auch senkrecht zu ihnen verändert. Dabei stellten die Forscher bei beiden Geschlechtern eine verlangsamte Diffusion in Faserrichtung fest. Nur bei Frauen zeigte sich auch eine erhöhte Beweglichkeit senkrecht zur Faserrichtung. Beide Befunde könnten auf möglicherweise unterschiedliche Degenerationsprozesse hinweisen.

Die Diffusionsunterschiede, die ähnlich auch im Zusammenhang mit vorzeitiger Alterung des Gewebes zu beobachten sind, waren bei den weiblichen Versuchspersonen ausgeprägter und betrafen größere Teile des Corpus callosum. Die systematischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern könnten, so die Forscher, damit zusammenhängen, dass die Faserverknüpfungen zwischen den Hirnhälften bei Männern und Frauen insgesamt Unterschiede zeigen.

 

Mueller, K. et al.: Sex-Dependent Influences of Obesity on Cerebral White Matter Investigated by Diffusion-Tensor Imaging. PLoS ONE 2011; 6(4): e18544; doi:10.1371/journal.pone.0018544

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben