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Parkinson-Patienten verwechseln bestimmte markante Gerüche.
Foto: Privat

Dr. Dieter Volc Primarius der Neurologischen Abteilung der Confraternität-Privatklinik Josefstadt, Wien, und Vorstandsmitglied des Parkinson Selbsthilfe Österreich-Dachverbandes

 
Neurologie 19. April 2011

Trügerische Nase

Ein Riechtest kann zur Frühdiagnose von Morbus Parkinson beitragen.

Eine bisher nicht publizierte Geruchsteststudie liefert Hinweise auf neue Möglichkeiten zur Früherkennung von Morbus Parkinson.

 

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass der Geruchssinn bei 95 Prozent der Parkinson-Patienten vermindert ist. Diese Störung tritt Jahre vor Beginn der für die Erkrankung so charakteristischen motorischen Ausfälle auf und ist mit einem sehr einfachen Geruchstest zu überprüfen.

Der „Sniffin Sticks“-Riechtest

Die Testpersonen riechen an zwölf standardisierten Geruchsstiften und bekommen zu jedem Stift vier Antwortmöglichkeiten zum Ankreuzen. „Dabei zeigen Parkinson-Patienten eine falsche Einschätzung im Sinne einer Verwechslung der Gerüche. In einer retrospektiven Analyse ist aufgefallen, dass diese Verwechslungen typisch sein können", so Dr. Dieter Volc, Primarius der Neurologischen Abteilung der Confraternität-Privatklinik Josefstadt, Wien, und Vorstandsmitglied des Parkinson Selbsthilfe Österreich-Dachverbandes. Als Beispiel führte Volc an, dass fast alle Testpersonen Orangengeruch korrekt identifizieren können, Parkinson-Patienten dagegen den Geruch von Fisch häufig mit dem von Brot verwechseln.

In einer prospektiven Studie wurde mit 276 Personen in zehn ostösterreichischen Ordinationen ein Geruchstest durchgeführt. Die Teilnehmer wurden in drei Kohorten geteilt: 122 Patienten mit gesichertem Morbus Parkinson (MP), 61 Patienten mit cerebralen Durchblutungsstörungen (CD) und 93 Probanden ohne Morbus Parkinson (POMP). Die Kohorte MP wurde mit der gemischten Kohorte CD und POMP verglichen.

Ergebnis der Untersuchung

„Das Ergebnis bestätigte die Erwartung aus der Pilotstudie, dass nämlich Parkinson-Betroffene Gerüche in einer spezifischen Art verwechseln, das heißt, einen definierten Geruch pseudotreffsicher mit einem falschen Geruch verwechseln, während nicht Betroffene andere Entscheidungen treffen“, so Volc. Bei der Überprüfung einer Eignung der Kombination von einzelnen Item-Ergebnissen als Morbus-Parkinson-Diagnose-Tool lieferte die logistische Regression ein Modell mit einer Sensitivität von 70,2 Prozent und einer Spezifität von 84,2 Prozent. „Zusammenfassend lässt sich postulieren, dass die Identifizierung von Morbus Parkinson durch Geruchserkennungsmuster, Riechtest-Item-spezifisch, möglich ist und treffsicher verläuft“, erklärte Volc.

 

Quelle: Pressegespräch anlässlich des Welt-Parkinson-Tages „Morbus Parkinson – Eine Erkrankung mit vielen Gesichtern. Neue Erkenntnisse zu Früherkennung und Behandlung“, Wien, 30. März 2011

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