zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Prof. Dr. Eduard Auff Leiter der Universitätsklinik für Neurologie, AKH Wien
 
Neurologie 6. April 2011

Interview: Von der Theorie zur Praxis

Weg von den Messinstrumenten, hin zum Patienten: Die Neurologie wird zunehmend eine behandelnde Disziplin. ÖGN-Präsident und Tagungspräsident Prof. Dr. Eduard Auff sprach mit der ÄrzteWoche über die Entwicklung des Fachs.

 

Ist die Neurologie im Aufbruch?

AUFF: Ich glaube, dass wir heute wirklich sagen können: Die Zeiten haben sich geändert. In der Neurologie gibt es inzwischen Möglichkeiten der Therapie, die wir uns vor 20 Jahren noch nicht vorstellen konnten. Natürlich können wir noch immer nicht jedem Patienten eine zufriedenstellende Therapie anbieten, aber für einen großen Teil der Patienten gibt es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten.

 

Welche Fortschritte in der Neurologie beeindrucken Sie am meisten?

Auff: Für mich am eindrucksvollsten, weil sie am wenigsten im Rampenlicht stehen, sind die enormen Fortschritte in der Neurorehabilitation. Früher ging man davon aus, dass Nervenzellen sich nicht regenerieren können, dass jede Zelle, die zugrunde gegangen ist, unwiderruflich verloren ist. Inzwischen wissen wir aber, dass es neben dem Nervensystem kein anderes Organ gibt, in dem Zellen in diesem Ausmaß neue und zusätzliche Aufgaben übernehmen können, um die Funktion wieder herzustellen. Darauf basiert die Neurorehabilitation, bei der Patienten mit Funktionseinschränkungen durch Übungsverfahren, Stimulations- und Trainingsmöglichkeiten tatsächlich eine Funktionsverbesserung erreichen können. Früher hieß es auch, dass sich nach einem Jahr, in der chronischen Phase, nichts mehr tut. Das ist nicht wahr. Man kann auch nach längerer Zeit, nach einem halben Jahr oder Jahr, mit technischer Hilfe noch Besserungen bewirken, die für die Patienten eine Steigerung ihrer Lebensqualität bedeuten.

 

Was haben Sie sich für Ihre Funktionsperiode als ÖGN-Präsident vorgenommen?

AUFF: Ein besonderes Anliegen ist mir die Weiterentwicklung bestimmter Bereiche in der Neurologie wie etwa der Neurointensivmedizin – die Behandlung des Schlaganfalls zum Beispiel führt ja immer mehr in diese Richtung – oder auch die Beschäftigung mit dem chronischen Schmerzpatienten. Außerdem möchte ich die Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen und den in Spitälern tätigen Neurologen weiter fördern.

 

Das Gespräch führte Mag. Tanja Fabsits

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben