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Neurologie 6. April 2011

Neurotransmitter nach Schlaganfall

Reboxetin verlängert Verweildauer von Noradrenalin und verbessert dadurch feinmotorische Bewegungen.

Oft bleibt nach einem Schlaganfall die Feinmotorik beeinträchtigt. Der chemische Botenstoff Noradrenalin vermag offensichtlich diese Defizite zu reduzieren. Daraus ließe sich ein neuer therapeutischer Ansatz zur Rehabilitation nach Schlaganfall ableiten.

 

In der Studie von Christian Grefkes vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich sowie der Neurologischen Klinik der Uniklinik Köln führten elf Schlaganfall-Patienten (42 bis 74 Jahre alt) mit motorischen Defiziten verschiedene motorische Aufgaben durch, in denen die maximale Griffkraft sowie Fingerklopfrate und Zeigebewegungen bestimmt wurden.

Die Verweildauer des natürlich ausgeschütteten chemischen Botenstoffs Noradrenalin wurde dabei durch die Gabe von Reboxetin (RBX) beeinflusst. Diese Substanz verlangsamt die Wiederaufnahme des Transmitters in die neuronalen Zellspeicher und verlängert somit dessen stimulierende Wirkung auf die Kopplung im kortikalen Motorik-Netzwerk. In der Kontrollbedingung gaben die Forscher den Patienten eine gleich aussehende Tablette ohne Wirkstoff („Placebo“).

Auf Verhaltensebene bewirkte die verlängerte Verweildauer des Noradrenalins besonders eine Verbesserung in den einfachen motorischen Tests: Während die Griffkraft der betroffenen Hand sich im Schnitt vervierfachte, verdoppelte sich die Fingerklopfrate – eine sowohl für Patienten als auch für Neurologen bemerkenswerte Verbesserung. Die motorischen Verbesserungen waren auf kortikaler Ebene mit einer Normalisierung der zuvor krankhaft erhöhten Hirnaktivität verbunden, wie magnetresonanz-tomografischen Gehirnscans erkennen ließen – insbesondere in den motorischen Arealen der geschädigten Hemisphäre. Diese Prozesse gingen einher mit einer gesteigerten Kommunikationseffizienz zwischen dem Handareal und den vorgeschalteten motorischen Kontrollzentren.

Der Nachwuchswissenschaftler Christian Grefkes gibt sich optimistisch: „Die Befunde unserer Studie könnten sich als Startpunkt eines neuen, vielversprechenden therapeutischen Ansatzes erweisen, um Störungen in Hirnnetzwerken zu korrigieren und handmotorische Funktionen nach Schlaganfall zu verbessern.“

 

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