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Neurologie 23. März 2011

Nicht vorschnell auf Parkinson schließen

Manchmal legt der typische Ruhetremor eine falsche Fährte.

Jeder zehnte bis zwanzigste Patient mit scheinbar typischer idiopathischer Parkinsonkrankheit hatte in mehreren Untersuchungen keinerlei dopaminerges Defizit. Hier sollte nach diskreten Zeichen einer Dystonie gefahndet werden.

 

Die Sensitivität der Dopamin-Transporter-Szintigraphie (DaTSCAN™) für den Nachweis eines idiopathischen Parkinsonsyndroms kann auch im Frühstadium mit praktisch 100 % angesetzt werden. Denn bei Beginn der Symptomatik sind in der Regel 80 % des striatalen Dopamins und mindestens 50 % der nigralen dopaminergen Neurone verloren gegangen. Daher war die Überraschung groß, als in mehreren Untersuchungen 5–10 % der Patienten mit klinisch diagnostizierter Parkinsonkrankheit normale DaTSCAN-Ergebnisse aufwiesen, so Professor Dr. Thomas Gasser, Tübingen. Auch im Verlauf von zwei Jahren war bei diesen Patienten trotz typischer Symptomatik mit einseitigem oder einseitig betontem Ruhetremor und leichten extrapyramidalen Symptomen wie dem verminderten Armschwung und Hypomimie kein progredientes dopaminerges Defizit nachweisbar. Sie wurden daher als SWEDD-Patienten (Scans without evidence of dopaminergic deficit) bezeichnet.

Hinweise auf eine Dystonie

Kürzlich hat sich nun die Vermutung bestätigt, dass es sich tatsächlich nicht um Parkinsonpatienten handelt. Die „SWEDDs“ waren in einer Studie ebenso wie Dystonie- und Parkinsonpatienten einer transkraniellen Magnetstimulation unterzogen worden, berichtete Gasser. Die Analysen ergaben, dass die SWEDD-Patienten in ihrer Charakteristik tatsächlich eher Patienten mit segmentalen Dystonien ähneln. Bei sorgfältiger klinischer Untersuchung lassen sich durchaus Hinweise auf eine Dystonie finden wie zum Beispiel eine haltungsspezifische Verstärkung der Bewegungsstörung, ein Schreibkrampf oder wenn das Ermüdungsphänomen bei repetitiven Bewegungen fehlt. Die Behandlung mit dopaminergen Medikamenten nützt diesen Patienten nicht. Daher kann auch in solchen Fällen empfohlen werden, Methoden der strukturellen oder funktionellen Bildgebung zu nutzen, um eventuell vorliegende differenzialdiagnostische Alternativen zum Parkinsonsyndrom zu ermitteln.

Springermedizin.de, Ärzte Woche 12 /2011

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