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Neurologie 27. Februar 2009

Migränetipps für „Anfänger“

IQWIG warnt vor Off-label-Use von Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen.

Mit Stress umgehen zu lernen und Migräne-Auslöser zu vermeiden, ist für jugendliche Migräne-Patienten genauso wichtig wie die Behandlung mit den richtigen Medikamenten. Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) warnt davor, bei Kindern Migränemedikamente einzusetzen, die nur für Erwachsene zugelassen sind. Das Institut hat die neuesten Forschungsergebnisse zu Migräne analysiert und Informationen veröffentlicht, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richten.

Einer von zehn Heranwachsenden hat ab und zu mit Migräne-Anfällen zu kämpfen. Wer als Kind Migräne hat, muss jedoch nicht unbedingt damit rechnen, auch als Erwachsener Migräneattacken zu bekommen.

Am Anfang steht das Wissen

Verlässliches Wissen kann jungen Menschen helfen, ihre Migräne besser in den Griff zu bekommen und Attacken vorzubeugen, so das Institut. Es sei wichtig, dass Kinder und Jugendliche den Unterschied zwischen verschiedenen Kopfschmerzarten kennen. „Migräne verursacht bei Jugendlichen dieselben pochenden, einseitigen Schmerzen wie bei Erwachsenen“, so der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. Peter Sawicki: „Es gibt aber auch Unterschiede: Die Attacken können bei Kindern kürzer sein und sind öfter mit Bauchschmerzen oder Übelkeit verbunden. Eine Aura mit Lichtblitzen oder verschwommenem Sehen erleben sie aber nur selten.“

Wenn junge Menschen erst einmal ihre persönlichen Migräne-Auslöser kennen – etwa Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel –, können sie versuchen, diese zu vermeiden. „Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, herauszufinden, welche Umstände einer Migräneattacke vorausgehen und ob es etwas nützt, wenn man zum Beispiel ein verdächtiges Nahrungsmittel weglässt“, so Sawicki.

Kindergerechte Medikation

Um eine Migräneattacke durchzustehen, genügt es häufig, sich in einem ruhigen, abgedunkelten Raum hinzulegen, eine kühlende Auflage auf die schmerzende Kopfseite zu legen und zu versuchen, einzuschlafen. Sind die Schmerzen zu stark, kommt man manchmal um Schmerzmittel nicht herum. Ibuprofen und Paracetamol sind bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesenermaßen am besten untersucht und haben wenig unerwünschte Wirkungen. Wenn diese Mittel nicht ausreichen, ist für Kinder ab zwölf Jahren ein spezielles Migränemedikament namens Sumatriptan als Nasenspray verfügbar.

Warnung vor Off-Label-Use

Die Auswahl an Migränemedikamenten ist für Erwachsene viel größer als für Kinder und Jugendliche; dies gilt sowohl für die Behandlung als auch die Vorbeugung von Migräneattacken. Denn die meisten Mittel sind für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen. Sawicki warnt vor Off-label-Use: „Medikamente wirken bei Kindern und Heranwachsenden oft anders. Solange ein Körper noch wächst, können sie unerwartete Nebenwirkungen haben. Dies bedeutet, dass man bei Kindern nicht einfach niedrigere Dosierungen eines Mittels für Erwachsene einsetzen kann. Leider sind fast alle Migränemedikamente bisher nicht ausreichend in Studien mit Kindern und Jugendlichen getestet und daher auch nicht für sie zugelassen.“

Das Institut hat auf seiner Website www.gesundheitsinformation.de Informationen für Familien über die neuesten Forschungsergebnisse zur Migränebehandlung und -vorbeugung bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Ein Merkblatt richtet sich direkt an junge Menschen. Außerdem ist auf der Website ein Migräne-Tagebuch zum Ausdrucken und Ausfüllen zu finden.

 

IQWIG/PH, Ärzte Woche

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