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Neurologie 5. Jänner 2011

Rauchen und Alzheimer

Eine große Langzeitstudie untersuchte die Auswirkungen des Tabakkonsums auf das Gehirn.

Von Seiten der Tabaklobby wird gerne behauptet, das Rauchen vor der Entwicklung eines Morbus Alzheimer schütze. Eine große Studie zeigte nun, dass das Gegenteil der Fall ist.

 

Rauchen kann bekanntlich zahlreiche Erkrankungen verursachen. Man schätzt, dass jährlich rund 5 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens versterben. Hinzu kommen etwa 600.000 Opfer des Passivrauchens (Öberg et al., Lancet 2010).

Was neurodegenerative Erkrankungen betrifft, wird dem Rauchen jedoch in Bezug auf Morbus Parkinson eine gewisse Schutzfunktion zugesprochen. Die Studienlage zum Thema „Rauchen und Alzheimer“ wird oft als kontrovers bezeichnet; allerdings ergab eine im letzten Jahr publizierte Metaanalyse der University of California, San Francisco, dass lediglich Studien, deren Autoren ein Naheverhältnis zur Tabakindustrie hatten, eine schützende Wirkung des Rauchens fanden (Cataldo JK et al.: Cigarette smoking is a risk factor for Alzheimer‘s Disease: an analysis controlling for tobacco industry affiliation. Journal of Alzheimer‘s Disease 2010; 19: 465-480).

Generell ist es nicht einfach, den Einfluss des Rauchens auf die Entwicklung einer Demenz zu untersuchen. „Viele Raucher sterben, bevor eine Demenz auftreten konnte“, erklärt Dr. Rachel Whitmer, Kaiser Permanente Division of Research in Oakland, California.

25 Prozent mit Demenz

Im Rahmen der großen Studie „Smoking in Midlife and Long-term Risk of Alzheimer Disease and Vascular Dementia“ konnten Whitmer et al. auf die Gesundheitsdaten von über 21.000 US-Bürgern zurückgreifen. Die erste Datenerhebung hatte dabei stattgefunden, als die Studienteilnehmer ein mittleres Lebensalter hatten (1978-1985). Rund zwei Jahrzehnte später wurde überprüft, wie viele Personen seither eine Demenz entwickelt hatten. Whitmer erklärt: „In einem Follow-up-Zeitraum von im Schnitt 23 Jahren wurde bei insgesamt 5.367 Personen, das sind 25,4 Prozent, eine Demenz diagnostiziert. In 1.136 Fällen handelte es sich um Morbus Alzheimer und in 416 Fällen um eine vaskuläre Demenz.“

Das Risiko für eine Demenz war bei Personen, die im mittleren Lebensalter mehr als zwei Päckchen am Tag geraucht hatten, um 114 Prozent erhöht (Hazard ratio von 2,14). Hinsichtlich der Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit war das Risiko um 157 Prozent, für vaskuläre Demenz um 172 Prozent erhöht. Bei der statistischen Analyse des Zusammenhangs zwischen Rauchen und Demenz wurden unter anderem folgende Faktoren berücksichtigt: Alter, Geschlecht, formale Bildung, Familienstand, Hypertonie, Hyperlipidämie, Body-Mass-Index, Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall und Alkoholkonsum.

„Die negativen Auswirkungen des Rauchens fanden sich bei Männern und Frauen“, so Whitmer. Der Zusammenhang zwischen starkem Rauchen und Morbus Alzheimer bzw. Demenzerkrankungen allgemein sei vermutlich durch einen komplexen Mechanismus bedingt, der im Gehirn sowohl die Blutgefäße als auch die Zellen schädigt, vermuten die Autoren.

„Unsere Studie war die erste, die die langfristigen Auswirkungen des Rauchens auf das Gehirn in einer großen Kohorte untersuchte“, so Whitmer. Sie habe ergeben, dass das Gehirn nicht immun gegen die Folgen intensiven Rauchens ist. Die Studie füge so zur Liste schädlicher Effekte des Rauchens nun den Beleg für eine weitere negative Auswirkung hinzu, die in einer alternden Gesellschaft von besonderer Bedeutung sei.

 

Quelle: Rusanen M, Kivipelto M, Quesenberry CP Jr, Zhou J, Whitmer RA: Heavy Smoking in Midlife and Long-term Risk of Alzheimer Disease and Vascular Dementia. Archives of Internal Medicine 2010 Oct 25 (Epub ahead of print)

Von Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 1 /2011

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