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Neurologie 8. Juni 2010

Epstein-Barr- Virus führt nicht zwingend zu MS

Schon länger wird diskutiert, ob das Epstein-Barr-Virus (EBV) Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose (MS) auslösen kann. Bisher wurde dafür jedoch kein direkter Beweis erbracht.

Die aktuelle Studie hat Blutproben von Kindern mit akuter disseminierter Enzephalomyelitis (ADEM) und klinisch isoliertem Syndrom (CIS), einer Vorstufe der Multiplen Sklerose, untersucht. Beide Erkrankungen sind Ausdruck einer akuten Autoimmunreaktion im Zentralnervensystem: Die Myelinschicht, die die Nervenfasern schützend umgibt, wird angegriffen und die darin eingebetteten Proteine zerstört. Die Untersuchungen verschiedener Forschergruppen haben gezeigt, dass ADEM- und CIS-Patienten im Vergleich zu gesunden Kindern bzw. Kindern mit anderen neurologischen Erkrankungen eine deutlich höhere Konzentration von Antikörpern gegen das MOG-Protein im Blut aufweisen. Für das Auftreten der MOG-Antikörper spielte es dabei keine Rolle, ob die ADEM- und CIS-Kinder mit dem EBV infiziert waren oder nicht. Außerdem fanden sich keine eindeutigen Hinweise, dass die EBV-Infektion bei diesen Kindern das Risiko erhöht, im weiteren Verlauf eine MS zu entwickeln. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus nicht als alleiniger Entstehungsmechanismus für die Entwicklung entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems bei Kindern, insbesondere nicht für die Entwicklung von Autoantikörpern gegen das MOG-Protein, herhalten kann“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Bernhard Hemmer. Die Befunde deuteten eher darauf hin, dass EBV – wenn überhaupt – nur bei einem Teil der Patienten relevant ist.

Quelle: Selter, R. C. et al.: Neurology 2010; 74: 1711–5; doi:10.1212/WNL.0b013e3181e04096

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