zur Navigation zum Inhalt
Foto: photos.com
Unter Oxytocin zeigten Männer gleich viel Empathie wie Frauen.
 
Neurologie 11. Mai 2010

Hormonspray macht Männer einfühlsamer

Das Neuropeptid Oxytocin verbessert bei Männern die Fähigkeit, sich emotional in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen.

An einem Experiment der Universität Bonn und des Babraham-Instituts Cambridge nahmen 48 Männer teil. Die eine Hälfte erhielt ein Oxytocin-haltiges Nasenspray, die andere ein Placebo. Danach wurden ihnen Fotos von emotional aufgeladenen Situationen gezeigt. „Die Oxytocin-Gruppe gab signifikant höhere emotionale Empathie-Werte zu Protokoll als die Placebo-Gruppe“, fasst Dr. René Hurlemann von der Klinik für Psychiatrie der Uni Bonn zusammen. Dabei waren die Teilnehmer der Placebo-Gruppe durchaus in der Lage, den Ausdruck der abgebildeten Gesichter rational zu deuten. Oxytocin bewirkte lediglich ein größeres emotionales Einfühlungsvermögen. In einem zweiten Versuch mussten die Teilnehmer am Computer einen Merktest absolvieren. Bei richtigen Antworten erschien auf dem Bildschirm ein lobendes, bei falschen ein tadelndes Gesicht. „Die Oxytocin-Gruppe sprach auf das mimische Feedback deutlich besser an als die Placebo-Gruppe.“ Eine wichtige Rolle scheint in diesem Zusammenhang die Amygdala zu spielen. Sie ist an der emotionalen Bewertung von Situationen beteiligt. „Unsere Studie zeigt zum ersten Mal, dass emotionales Einfühlungsvermögen durch Oxytocin moduliert wird und dass Ähnliches auch für Lernprozesse mit sozialen Verstärkern gilt“, sagt Hurlemann.

Quelle: Hurlemann, R. et al.: Journal of Neuroscience 2010; 30(14): 4999–5007; doi:10.1523/JNEUROSCI.5538-09.2010

Uni Bonn/PH, Ärzte Woche 19 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben