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Foto: Prim. Dr. Dieter Volc

Foto: Prim. Dr. Dieter Volc

MRT einer 46-jährigen Frau mit symmetrisch ausgebildetem Parkinson-Syndrom fünf Jahre nach einer Rauchgasvergiftung – mit den für diese Ursache typischen, ausgestanzten Läsionen im Striatum beidseits.

Foto: Privat

Prim. Dr. Dieter Volc Neurologische Abteilung und Parkinsonzentrum der Confraternität, Privatklinikum Josefstadt

 
Neurologie 10. April 2010

Mit Aufklärung gegen die Patienten-Angst

Parkinson-Patienten wünschen sich in der hausärztlichen Praxis vor allem eines: Aufklärung. Weltweit schätzt man die Zahl der Parkinson-Kranken auf 4,1 Millionen, Tendenz steigend. Diese Zahl wird sich bis 2030 auf 8,7 Millionen erhöhen und somit mehr als verdoppeln. In Österreich leiden geschätzte 16.200 Menschen an dieser Krankheit. Konkret erfasst sind derzeit in den Parkinson-Ambulanzen an die 8.000 Patienten. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird also nicht vom Neurologen, sondern vom Hausarzt oder Internisten betreut.

 

Patienten, die mit der Diagnose Morbus Parkinson konfrontiert werden, fürchten, bald zu sterben, den Rest ihres verkürzten Lebens in Pflege zu verbringen oder in kürzester Zeit einen Rollstuhl zu brauchen. Das gilt jedoch mit der modernen Parkinsontherapie nicht mehr. Aufklärung ist daher extrem wichtig – zu Beginn tatsächlich noch wichtiger als die Behandlung selbst.

Die Diagnose wird von den Betroffenen oft wie eine Karzinom-Diagnose aufgenommen. Hier ist es vordringlichste ärztliche Aufgabe, aufzuklären und Angst zu nehmen. Das erfordert Zeit, die man gewöhnlich im Ordinationsalltag nicht hat. Einer Umfrage der Patientenorganisation „Parkinson Selbsthilfe Österreich“ zufolge wünschen sich 91 Prozent der Befragten bei der Diagnosemitteilung Informationen. Nur neun Prozent möchten eine sofortige Behandlung. Diese Zahlen finden in einer amerikanischen Umfrage von Chris Goetz Bestätigung: 89 Prozent wünschen Information, elf Prozent Therapie!

Diagnose aufgrund der Symptomen-Trias

Als James Parkinson sich vor 200 Jahren seine Gedanken zu der später vom französischen Neurologen J. M. Charcot nach ihm benannten „Schüttel-Lähmung“ machte und sie in seinem Essay on the shaking palsy 1817 zusammenfasste, stellte er die Diagnose ausschließlich nach klinischen Kriterien. Er erhob eine exakte Anamnese, in der er Wert auf das „Seit wann treten welche Symptome in welcher Weise auf?“ legte, und fasste sie in der berühmt gewordenen Symptomen-Trias „Bewegungsarmut plus Steifigkeit und/oder Ruhezittern“ zusammen.

Daran hat sich nicht viel geändert. In der Zwischenzeit sind die Haltungsstörung und eine Reihe nicht-motorischer Symptome (Kasten 2) dazugekommen. Apparative Untersuchungen dienen lediglich der Differentialdiagnose und Abgrenzung zu anderen, symptomatisch ähnlichen Erkrankungen. Die Diagnose ist aber heute nach wie vor eine klinische, und dazu dienen die von Hughes 1992 publizierten und heute als British Brain Bank Criteria (Kasten 1) bekannten Diagnose-Grundlagen. Zusätzlich ist eine Schnittbilduntersuchung, am besten in Form einer cerebralen MRT, zur Abgrenzung von Mikroangiopathie oder einem Hydrocephalus internus als wichtigste Differentialdiagnose notwendig.

Weitere Spezifizierungen sollten durch Spezialisten erfolgen. In Österreich betreiben praktisch alle großen Krankenhäuser und Universitätskliniken im Rahmen ihrer neurologischen Abteilungen auch „Parkinson-Ambulanzen“, die sich in der Regel mit der Diagnosesicherung und medikamentösen Einstellung der Krankheit beschäftigen.

Da die Betroffenen durch diese Störung naturgemäß auch nicht immer in der Lage sind, die Umstände den Angehörigen und Betreuenden adäquat mitzuteilen, ist es unbedingt notwendig, die Bezugspersonen entsprechend zu informieren und sie selbst darauf achten zu lassen. Auch aus diesem Grund ist Parkinson-Therapie zeitaufwändig (siehe auch Kasten  3).

Der Verbesserung des Informationsstandes von Betroffenen, Angehörigen, Betreuern, Pharmazeuten und Ärzten dienen auch Veranstaltungen (Kasten 4), wie sie unter anderem heuer wieder zum Welt-Parkinson-Tag, der immer an James Parkinsons Geburtstag am 11. April stattfindet, weltweit begangen werden.

Kasten 1
British Brain Bank Criteria
• Verlangsamung (Bradykinesia) muss vorliegen, PLUS eines der folgenden Symptome:
• Ruhezittern 4-6 Hz (Tremor)
• Steifigkeit (Rigidity)
• Haltungsstörung (Postural instability)
Die Beschwerden sind anfangs nur halbseitig und bleiben über den ganzen Verlauf asymmetrisch. Eine über Jahre anhaltende gute Wirksamkeit dopaminerger Stimulation sichert die Diagnose. Anfangs ist DOPA auch bei Multisystematrophie einigermaßen wirksam.
Kasten 2
Nicht-motorische Symptome
Die hervorgehobenen Symptome treten bereits VOR den manifesten motorischen Störungen auf – oft schon Jahre vorher – und können der Frühdiagnose dienen. Insbesondere die Geruchssinnprüfung ist einfach, billig und rasch durchführbar.
• Geruchssinnstörung
• Schlafstörung (REM Sleep Behavior Disorder)
• Beeinträchtigung der Sprache
• Geistige Veränderungen
– Demenz
– Depression und Angst
• Fehlfunktionen des vegetativen Nervensystems
– Verstopfung
– Harnprobleme
– Sexualprobleme
– Gewichtabnahme
– Schwitzen
– Speichelfluss
• Sensorische und sensomotorische Phänomene
– Schmerzen
– Unruhige Beine
Kasten 3
EPDA-Charta
Das medizinische und soziale Management gemeinsam mit den Betreuern und Angehörigen folgt den Prinzipien der EPDA (European Parkinson’s Disease Association):
Menschen mit Parkinson haben das Recht
• zu einem Arzt mit spezieller Ausbildung geschickt zu werden
• eine genaue Diagnostik zu erhalten
• Zugang zu Service-Einrichtungen zu bekommen
• betreut und unterstützt zu werden
• am Management ihrer Erkrankung selbst teilzunehmen
Kasten 4
Veranstaltung zum Welt-Parkinson-Tag

 

Foto: flickr / Cimm 
Foto: flickr / Cimm

Termin: 11. April 2010
Ort: Tagungszentrum Schloss Schönbrunn, Saal Maria Theresia
Veranstalter: Patientenorganisation Parkinson Selbsthilfe Österreich – Dachverband

Programm online

Programm Überblick

Neues & Bewährtes
Moderation: Prim. Dr. Dieter Volc

09:30 Eintreffen der Teilnehmer und Begrüßung
10:00 Vortrag Prim. Dr. Dieter Volc
„Diagnostik, Management und Therapie der Parkinson-Krankheit im Frühstadium“

10:30 Vortrag Prof. Dr. Walter Pirker
„Therapie der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit und Indikationen für die tiefe Hirnstimulation“

11:00 Vortrag Prof. Dr. François Alesch
„Zwanzig Jahre Tiefe Hirnstimulation in Österreich – Welche Lektion haben wir daraus gelernt?“

11:30 bis 12:00 Fragen & Antworten

Aktivität & Spaß
12:00 bis 15:00

Von Prim. Dr. Dieter Volc, Ärzte Woche 14 /2010

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